Davis Cinema Ten
Gehäuse und Fernbedienung
Äußerlich unterscheiden sich der Cinema Ten nur durch die
Aufschrift "Cinema Ten" vom kleineren "One".
Auffällig die Drehringe, die auf die manuelle Natur des Zooms
hinweisen. Sehr störend ist das Streulich, das aus den Lüftungsöffnungen
des Cinema Ten dringt. Das muss Davis unbedingt abstellen. Bei
der Fernbedienung handelt es sich um den Standardgeber von Davis.
Handlich, aber spartanisch. Vor allem fehlt die 16:9-Taste.
Kontrast, Farbe und Helligkeit lassen sich zwar am Gerät per
Wippen einstellen, via Fernbedienung geht es nur via Menü mit
vielen Klicks.

Unterschiede zum Cinema One.
Abgesehen von der höheren Auflösung war die Überraschung
beim ersten Einschalten groß: schon bei recht geringer
Projektionsdistanz füllt der Cinema Ten die mehr als drei Meter
breite Bildwand im Testraum komplett. Dafür braucht der Cinema
One, eine weit größere Entfernung. Die Erklärung fand sich
schnell: der Cinema Ten benutzt einen XGA-Chip, der flächenmäßig
größer als der weniger hoch auflösende Chip im Cinema One ist.
Bei gleicher Optik bringt das schon mal mehr Bild. Außerdem
nutzt der Cinema Ten als auch bei Videobetrieb seinen ganzen Chip!
Das war ja bisher das große Manko der SVGA-Projektoren von Davis,
die nicht in der Lage waren, Videobilder auf ganze Panelgröße
zu skalieren.
Die Optik
Somit ist der Cinema Ten ideal für ein großes Bild bei
beengten räumlichen Verhältnissen. In weitwinkligster
Einstellung entspricht sein Verhältnis Abstand zu Bildbreite mit
rund 1,5x in etwa dem eines durchschnittlichen Röhrenprojektors.
Außerdem fällt auf, dass der Cinena Ten im Unterschied zum
preiswerteren SVGA-Modell nur ein manuelles Projektionsobjektiv
besitzt. Wie das mit dem kräftigen Aufpreis zum Cinema One
zusammenpasst, wird Davis seiner Kundschaft wohl erklären müssen
Formatumschaltung
Aber nicht nur die schiere Bildgröße beeindruckte, sondern
auch eine in schlichten Grau gehaltene Taste mit der Aufschrift -
16:9! Respekt: Da traut sich ein Hersteller tatsächlich, die
Formatumschaltung nicht schamhaft in der dritten Menüebene zu
verstecken. Nein, einfach Knopf drücken und - bingo
anamorpher Modus! Warum machen das nicht alle so? Leider fehlte
es auch bei Davis an der letzten Konsequenz, weil der Formatknopf
eben nur am Projektor, aber nicht auf der Fernbedienung zu finden
ist. Also doch wieder zurück zur dritten Ebene. Neben dem
anamorphen Format gibt es auch keine weiteren Zugaben in der
Formatfrage: ein kleines 4:3-Fenster innerhalb des 16:9-Feldes
("windowbox") für 16:9-Leinwände gibt es nicht. Zudem
nimmt er es mit dem Format nicht so genau: im 16:9 Modus
unterscheidet sich die Bildhöhe von PAL zu NTSC um 7%. PAL ist
mit rund 1,84:1 etwas zu schlank, während NTSC mit 1,74:1 ein größeres
Bild abgibt. Das ist besonders ärgerlich wenn man eine passende
Bildwand im 16:9-Format verwendet. Natürlich könnte man ein
kleineres 4:3 auch mittels der besonders weitreichenden Zoomoptik
erreichen, wobei es bei Festinstallationen allerdings zu einen
kleinen Schönheitsfehler kommt. Der Davis projeziert in steilem
Winkel (Werksangabe 17 Grad) womit sich die Grundlinie des Bildes
beim Zoomen verschiebt. Per Zoom ist der Formatproblematik kaum
Herr zu werden, außer man verändert auch ständig die
Aufstellungshöhe des Gerätes..
De-Interlacer & Scaler
Testbilder mit Auflösungsbesen lassen im ersten Moment gar
vermuten, dass der Davis sogar eine Art Filmmode besitzt. Schließlich
wird der Besen für die vertikale Auflösung in voller Pracht
abgebildet. Das können sonst nur teure Videoprozessoren und DVD-Player
mit progressive Scan. Allerdings täuscht der erste Eindruck.
Davis verwendet offensichtlich eine relativ simple Strategie zur
Vollbildkonvertierung, die jedoch bei Standbildern und
dazu zählen eben auch die meisten Testbilder gut
funktioniert. Dabei verwebt der Projektor die Halbbilder und
erzeugt so die höhere vertikale Auflösung. Sobald sich das Bild
bewegt, schaltet er auf Interpolation um, womit die empfundene
Auflösung rapide fällt. Das geht soweit, dass manche Bilder
beständig zwischen Stand- und Bewegtbildmodus hin und her "zappeln"
und so eine erstaunliche Unruhe im Bild entsteht (siehe "Sechs
Tage, sieben Nächte" Anfang Kapitel 9). Ein echter Filmmode
könnte die Verwebung aber auch bei Bewegung aufrecht halten, was
dem De-Interlacer im Cinema Ten nicht gelingt - weder bei Pal,
noch bei NTSC.
Anschlüsse
Statt des eher für Präsentationen geeigneten EVC-Steckers,
den Davis beim Cinema One einbaut, gibt es hier eine normale HD-15
Buchse zum Anschluss eines (Heimkino-) PCs. Außerdem zieren fünf
ausgewachsene BNC-Buchsen für RGB-Signale die Flanke des Cinema
Ten , ganz im Stil eines Röhrenprojektors. Allerdings soll
niemand glauben, dass mit soviel Engagement für RGB auch der
Direktanschluss des DVD-Players per RGB möglich wäre. Die dazu
erforderlichen 15K-RGB Signale mag die Elektronik des Cinema Ten
nämlich nicht in Empfang nehmen. Auch externe Scaler sind nicht
ganz problemlos. Die fünf BNC-Buchsen sind parallel zum HD-15
vorhanden.
Lichtleistung und Kontrast
Der Cinema Ten verwöhnt mit einem gefälligen, und dank RGBW-Farbrad
in den Lichtern recht hellen Bild (gemessene 800 ANSI-Lumen!),
wobei er es mit der Farbtreue nicht immer zu genau nimmt. Ein
leichter Grünstich ist nicht zu übersehen. Er glänzt jedoch
mit üppigem Kontrast: mehr als 300:1 am Testbild sind genug, um
dem Davis mit nur 1,4 Lumen einen wirklich guten Schwarzwert zu
sichern. Zusammen mit seiner vorbildlichen Gammakorrektur bringt
er Nachtszenen klar und gut durchgezeichnet.
Pro und Contra zum Cinema Ten:
PRO: Hoher Kontrast, gutes Gamma, viel Licht, 16:9 per
Tastendruck, geringe Folgekosten durch lange Lampenlebensdauer
CONTRA: Weniger Verwischen bei Bewegung, relativ laute Lüftung,
keine Keystone-Korrektur, unflexible und ungenaue
Formatumschaltung. FAZIT: Davis legt zu der Cinema Ten hat
das Zeug zum Heimkinohit, stolpert aber leider über häufige
Bewegungsunschärfen durch sein relativ schwaches De-Interlacing.
Das Testgerät
Manche Geräte, die zum Test eintreffen, sind noch nicht
vollständig ausgereift. So auch das Testmuster des Cinema Ten.
Einige Minuten nach dem ersten Einschalten tönte ein kräftiges
"Plopp" aus dem Inneren und setzte die Lampe still.
Nach kurzer Abkühlpause und erneutem Einschalten lief das
Testgerät dann stundenlang ohne weitere Aussetzer. "Ein
Softwareproblem" urteilte der deutsche Vertriebspartner
Liesenfeld, das in der Serie ausgeräumt sein wird.
Cinema Ten an Scaler und HTPC
Der Davis zeigte sich beim Anschluss eines HTPCs oder eines
Scalers durchaus flexibel, konnte aber mit dem Ausgangssignal
eines Panasonic TU-PTA100E Scalers recht wenig anfangen, wenn
NTSC gefragt war. Helle und dunkle Streifen wabberten wild durchs
Bild. Problemloser war der Anschluss eines Heimkino-PCs, was
naturgemäß am besten funktionierte, wenn man die native Auflösung
wählt. Ein leichtes Ruckeln war zu bemerken, wobei die für den
Test benutzten HTPCs (ein rkr Titan mit MPACT 2-Karte, ein
Celeron 400 mit Elsa TNT2-Karte und Elsa-Movie) natürlich eine
Mitschuld treffen könnte. Stellte man die Bildwiederholfrequenz
auf 75Hz, erhöhten sich die Ruckler drastisch, die auch nicht
verschwanden, wenn man seinen "Video-Mode" aktivierte.
Das ist ein erstaunliches Feature, das die Drehzahl de Farbrades
erhöht (!) und Ruckler im Bild (meist) abstellt. Beim
Zusammenspiel mit dem RKR stellten sich unschöne Moiree-Effekte
ein, die mit keiner Einstellung zum verschwanden.
Vergleich Infocus LP335
Cinema Ten
Da mein Heimkino zum gleichen Zeitpunkt von einem LP335 bevölkert
wurde, bot sich ein Vergleich (beide liefen direkt nebeneinander)
förmlich an: Der Cinema Ten wirkt gefälliger, weil er die
unteren Graustufen besser herausarbeitet. Der Schwarzpegel des C-Ten
ist viel besser. Der "Lichthof" des Infocus ist zudem
größer. Der höhere Kontrast zahlt sich bei Nachtszenen aus.
Die Schärfedisziplin gewinnt der Infocus haushoch. Im direkten
Vergleich wirkt der C-Ten eher "weich" Farbe: der C-Ten
ist grünstichiger, während der Infocus etwas wärmer abgestimmt
ist. Grün und Rot wirkt daher beim Cinema Ten gesättigter, Blau
kann der LP335 besser, während sein rot ins Orange tendiert.
Erstaunlich am Rande: beim LP335 kann der "Farbton"
auch bei PAL verändert werden. Normal ist das ein Fehler, denn
PAL braucht keine Farbtonkorrektur. Infocus siehts wohl als
Feature, denn damit läßt sich die Graubalance abgleichen
aber eben nur bei PAL. Besonders dunkle Bilder wirken beim LP335
relativ farblos, wo der Davis noch kräftig Farbe ins Spiel
bringt. Der LP335 ist etwas rauschiger, der C-Ten hat bei den
unteren Graustufen eine Störung mit überlagerten Rauschmuster.
Bewegte Bilder stellt der Infocus wesentlich schärfer dar.
p.f.