SIM2 Domino 20BS


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Wie von SIM2 nicht anders gewohnt ist, zeichnet sich der Domino durch elegantes Design und perfektes Finish aus - optisch eine kleines Juwel aus Italien. Im Inneren findet sich eine DLP-Engine mit einem Chip im "Matterhorn"-Format, also ein auf PAL-konforme 1024x576 Bildpunkte gekappter XGA-Chip. Im Unterschied zum MT500 von Toshiba sind die gekappten Pixel hier tatsächlich nicht vorhanden (und daher auch nicht als Lichthof sichtbar) - ein echter "Matterhorn" also.

Die Optik des Dominos ist auf lange Wurfdistanz ausgelegt, so wie SIM2 das auch bei der Grand Cinema Serie realisiert hat. Optimal ist also eine relativ hohe (Regal-) Aufstellung, von der der Domino dank seines Lens-Shifts nach unten strahlen kann. Weil bei dieser Aufstellungsvariante die ganze Zimmerlänge überbrückt werden muss, ist seine (sehr) lange Projektionsdistanz hier konsequent. Ein Bild mit zwei Meter Breite erzielt man beim Domino zwischen 4,55 bis 6,2 Meter Projektionsdistanz. Der manuell betätigte Lens-Shift bewegt das Bild vertikal über etwas mehr als eine Bildhöhe, so dass der Projektor minimal höher oder tiefer (je nach Aufstellung) als die Leinwandkante sitzen muss. Für alles weitere muss die elektronische Korrektur bemüht werden, die horizontal und vertikal arbeitet, also auch einen seitlichen Versatz ausgleichen kann. Zoom (immerhin fast 1,4-fach!) und Fokus werden motorisch über die Fernbedienung betätigt, der Lens-Shift leider nur manuell über eine Drehschraube. Gerade der wäre aber als motorische Verstellung interessant, wenn man zum Beispiel einen Scope-Film an die Leinwandkante schieben möchte. Das geht beim Domino nur mit manueller Einwirkung.

Das Problem mit der Lautstärke der Lüftung hat SIM2 leider noch immer nicht so recht im Griff, mit mehr als 38dB(A) gehört der Domino definitiv nicht zu den leisen seiner Klasse, aber wenigstens ist das Geräusch relativ sonorer Natur.

Schnittstellen sind reichlich vorhanden, sogar an einen Triggerausgang für Motorleinwände hat SIM2 gedacht. Die Komponentenschnittstelle lässt sich auch auf 15K-RGB umschalten (nicht getestet), und akzeptiert progressive Signale (getestet). Leider hat es SIM2 immer noch nicht auf die Reihe gebracht, dass das progressive Signal auch von Anfang an sitzt. Zunächst muss an "Frequenz" die Breite justiert, dann die Position zentriert werden. Das kann man doch schon im Werk passend einstellen.

Überhaupt nimmt man es bei SIM2 mit Werkseinstellungen nicht so genau. So muss die "Helligkeit" bei normaler S-Videozuspielung auf fast 80 hochgedreht werden. Die Ausrede mit dem amerikanischen 7,5% Setuppegel lasse ich hier nicht gelten, denn dieses Gerät kommt aus Europa. Auch die Farbtemperatureinstellung arbeitet anders, als im Anleitungsheft beschrieben. Dort wird die die mittlere Farbtemperatur mit 6500K angegeben - beim Testgerät war sie über 2000K davon entfernt. Überhaupt zeigte keine der Voreinstellungen normgerechte Farbwerte, so dass nur der Griff zur "Benutzereinstellung" blieb. Bei S-Video brachte der Parametersatz R+11, G-8, B-25 die beste Annäherung. Glücklicherweise (siehe Diagramm) ist der Weißabgleich über die Helligkeitsstufen von 20 bis 90% relativ konstant, sonst würde die lediglich mit drei Regeln bestückte Benutzereinstellung nicht ausreichen. Bei Gamma ist die Einstellung "Film" empfehlenswert, weil sie sehr nahe der 2,2-Vorgabe liegt. "Video" hellt deutlich auf - und wirbelt die Farbeinstellung durcheinander. Vorsicht: "Video" ist in den Werkseinstellungen vorgewählt und muss manuell in allen Eingangsspeichern abgeändert werden. Achten Sie auch peinlich auf die Kontrasteinstellung, die dann keinesfalls zu hoch gewählt werden darf, sonst übersteuert der Domino im oberen Helligkeitsbereich zuerst im roten Farbauszug.

Bei so gewählter Einstellung ergab sich ein Lichtstrom von 226 Lumen mit einem On/Off-Kontrast von 636:1, was einen Schwarzwert von rund 0,35 Lumen entspricht. Das ist zwar bildtechnisch noch im grünen Bereich, aber es sind keine Werte, die Fans in wahres Entzücken versetzen. Mit der Bildbreite sollte man es angesichts des moderaten Lichtstroms nicht übertreiben, mit sanftem Gain in der Leinwand reicht es aber für 2 bis 2,5 Meter, außerdem bräuchte man für breitere Bilder einen ziemlich langen Raum. Die Maximalwerte des Testgeräts (Gamma und Farbe in dieser Einstellung weit vom Schuss) lagen übrigens bei 425 Lumen bei einem Kontrast von 1200:1 - immer noch weit von der SIM2s Werksangabe von 1800:1 entfernt. Der Domino ist weniger anfällig für den Regenbogeneffekt als andere DLP-Projektoren der XGA-Klasse, da er die Farbsequenz mit 5-facher Geschwindigkeit durchfährt, also PAL mit 250, NTSC mit 300 Hertz. Damit liegt er über der XGA-Klasse (H56, MT500 etc.) die mit 4-facher Geschwindigkeit (200/240Hz) arbeiten und der HD-2 Referenzklasse, deren Farbrad mit konstante 300 Hertz kreist.

Vermisst habe ich auch eine digitale Videoschnittstelle, so dass der DVI-bestückte Samsung HD935 leider arbeitslos blieb. Der eingebaute De-Interlacer mit Faroudja-Technik (PF-Testdisc Stufe 2 bestanden) arbeitete auf gewohnt hohem Niveau, das DCDi eliminierte Jaggies in Kameramaterial weitgehend. Ein optimales 1:1 Mapping der der 576 PAL-Zeilen auf die gleiche Zahl der DLP-Pixel schafft der Domino in seinen Videomodi nicht, es ist im Vertikaltestbild der PF-Tesdisc immer eine leichte "Schwebung" sichtbar. Durch eine benutzerdefinierte Formateinstellung (Höhe auf -3) nähert man sich an, aber genau wenn’s stimmt, matscht der Vertikalburst zu. Nicht viel verloren: die 576p sind eher theoretischer Natur und werden bei realen DVDs nie genutzt (sonst flimmert’s nämlich bei 50Hz TVs). Und wer’s trotzdem will: Bei progressiver Zuspielung kann man’s hinkriegen.

Letztere zeigt bei passendem Zuspieler Vorteile bei der Auflösung: der 5 MHz Burst kam exzellent, selbst in 6,75 ist noch Zeichnung zu entdecken, die Farbe reicht bis sehr gute 3 MHz. Bei allen Interlace-Zuspielungen ist deutlich vorher Schicht im Schacht. Allerdings braucht man schon wieder einen neuen Weißabgleich, in meinem Fall war R+17, G-9, B-16 eine gute Wahl. Kontrast dabei deutlich unter 50. Konkret: der Domino braucht bei jeder Zuspielung eine kundige Hand für die Einmessung, damit wirklich alles stimmt.

Für Standardsignale kennt der Domino zwei Schärferegler: einen konventionellen für horizontale Schärfeanhebung, dessen "1" die Neutralstellung kennzeichnet. Ein weiteres "Filter" wirkt sowohl horizontal und vertikal. Neutral auf "1", kann man aber getrost nach Geschmack auf 2-3 stellen. Formate gibt es für alle Lebenslagen, zudem lassen sich drei eigene speichern.

Fazit: Rein subjektiv hat mich der Domino hin und her gerissen: einerseits ist sein Kontrast bei korrekt eingestellten Farben relativ gering, was sehr dunklen Szenen schon mal zu schaffen macht - kein Wunder, sein Schwarzwert bewegt sich am Niveau eines InFocus X1. Andererseits lässt ers sich perfekt einstellen und überzeugt dann mit einem scharfen, detailreichen Bild mit kräftigen aber dennoch nicht zu aufdringlichen Farben. Seit gutes Gamma, sein exzellenter Videoprozessor und die PAL-konforme Auflösung schaffen aber trotz den Schwächen im Kontrast ein sehr ansprechendes Bild. Und wer das italienische Design liebt, wird eh nur schwer am eleganten Äußeren des Dominos vorbeigehen können.

 

Hier punktet der Domino:
- wenig Overscan
- flexible Formate
- viele Eingänge
- reines RGB-Farbrad
- wenig Regenbogen dank 250 Hertz Farbfrequenz bei PAL (300 bei NTSC)

Hier überzeugt der Domino weniger:
- könnte leiser sein
- Werkseinstellung ziemlich daneben, braucht Einstellung
- Tasten auf der FB relativ verstreut, nicht beleuchtet
- der Netzschalter liegt nahe dem Tastenfeld und kann nur zu leicht verwechselt werden - geht zu Kosten der Lampe, wenn man aus Versehen ausschaltet
- leuchtet unten aus der Lüfteröffnung, daher Vorsicht bei Deckenmontage

Peter Finzel


Copyright 2003 by Peter Finzel. Verbreitung nur mit schriftlicher Zustimmung des Autors.

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