Yamaha DPX-1000
Im heiß umkämpften Markt für High-End Projektoren schickt Yamaha den schon lange angekündigten DPX-1000 in den Ring. Nun steht der DLP-Projektor mit hochauflösendem Breitbildchip im Testraum: eine äußerlich mächtige Maschine, die mit 14 Kilogramm Kampfgewicht noch wuchtiger als seine engsten Konkurrenten baut. Fast möchte man meinen, dass die High-End Geräte trotz Platz sparender DLP-Technik wieder zur Größe von Röhrenprojektoren zurückkehren. Das liegt in erster Linie an konsequenter Optimierung auf Heimkino, denn kleine Projektoren sind oft laut und leuchten aus jeder Lüftungsöffnung. Derartige Unarten sind dem Yamaha völlig fremd. Sein Gehäuse ist völlig lichtdicht und lässt die Photonen nur dort heraus, wo sie auch sollen - aus dem mächtigen Objektiv. Bei der Optik hat Yamaha wahrlich nicht gespart: sowohl Zoom, Fokus und Lens Shift, bei Yamaha "V. Pos." genannt, lassen sich sehr bequem und präzise über die Fernbedienung steuern. Überflüssiger Luxus mag mancher einwerfen, aber eben welcher, den man schnell nicht mehr missen möchte. Dank Motor kann der Fokus direkt an der Leinwand optimiert werden, per motorischem Lens-Shift lässt sich der Film im Scope-Format zur einfacheren Maskierung an die Leinwandkante schieben - das ginge per Hand zwar auch, aber eben umständlicher. Das 1,6-fache Zoom im Yamaha Linsensatz ist schlichtweg eine Wucht und deklassiert die Mitbewerber, die gerade mal die Hälfe schaffen. Ein weites Zoom hilft bei schwierigen Aufstellungen und verkraftet auch einen Umzug in andere Räumlichkeiten, ohne dass man gleich die Anschaffung überteuerter Wechseloptiken befürchten müsste.

Ein guter Teil der Baugröße des DPX-1000 geht auf das Konto der Geräuschdämmung. Ein Kapitel, mit dem sich die Entwickler bei Yamaha offensichtlich sehr intensiv befasst haben. Mit Erfolg, denn momentan kann der Yamaha das Prädikat des leisesten DLP-Projektors in der hochauflösenden Klasse für sich verbuchen - weder Sharp, Marantz noch Infocus können mithalten. Der Wert gilt allerdings nur im "Eco"-Modus, bei dem die Lampe mit niedriger Leistung strahlt, was für größere Leinwände nicht immer ausreichend sein mag.
Der DPX-1000 schafft das tiefste Schwarz, das ich bisher gemessen habe. Aber so richtige Freude kommt erst auf, wenn auch das zugehörige Weiß stimmt - wo es beim DPX-1000 etwas hapert. Potenziell schafft er zwar über 500 Lumen, aber wenn man all die feinen Optionen zur Kontrast-, Geräusch- und Farboptimierung nutzt, kommen noch rund 160 Lumen an der Leinwand an. Lichttechnisch bewegen wir uns hier am Niveau eines Röhrenprojektors, womit auch dessen Grenzen gelten: wer die zwei Meter Bildbreite deutlich überschreitet, kommt schnell in Versuchung, auf eine oder mehrere Optimierungen zu verzichten. Also zum Beispiel den Eco-Mode zu deaktivieren und den erhöhten Geräuschpegel in Kauf zu nehmen, oder die Iris von der kontraststarken Cinema-Position auf Standard zu bewegen.
Kenner wissen: Die Iris ist der bislang neueste Trick, den Texas Instruments zur Kontrasterhöhung seiner DLP-Engines empfiehlt. Geschickte Blenden in Form von Katzenaugen sortieren Streulicht so intelligent aus, so dass der Kontrast kräftig steigt. Leider geht der Trick auch zu Lasten der gesamten Leuchtstärke. Beim DPX-1000 reduziert sich das Weiß um rund 30 Prozent, der Kontrast steigt aber durch das mehr als halbierte Schwarz deutlich an, siehe Kasten Lichtbilanz. Starker Effekt: die Iris wird beim DPX-1000 elektrisch per Fernbedienung betätigt, eine Turnübung zum Objektiv entfällt somit. Überhaupt schafft der handliche IR-Geber ein wirkungsvolles Interface zum Projektor, wobei seine teilweise Beleuchtung positiv hervorsticht, ebenfalls die sechs direkt wählbaren Speicher.

Umfangreichste Farbeinstellungen für den Weißabgleich (links), wie aus dem Lehrbuch. Lediglich die Schrittweiten könnten etwas feiner sein. Sogar die einzelnen Grundfarben (Mitte) lassen sich verschieben. Rechts: Direkte Eingabe der Farbkoordinaten echte Spezialistensache.
Farbeinstellung & Weißabgleich
Es scheint, als wollen sich japanische Entwickler derzeit bei den Einstellvarianten für Farben und Weißabgleich gegenseitig übertreffen. Konnte schon Sharp mit dem bisher einzigartigen CMS glänzen, setzt Yamaha noch deutlich eins drauf. Dieser Projektor hat die aufwändigsten und die umfangreichsten Farbeinstellungen, die wir bisher gesehen haben. Nicht nur kann die Farbtemperatur samt Abweichung vom schwarzen Strahler an einem Diagramm (!) im Menü justiert werden, auch die Farborte der drei Grund- und wenn es gewünscht wird auch der drei Komplementärfarben lassen sich grafisch oder numerisch eingeben. Klingt kompliziert? Ist es auch, solange man nicht gerade Farblehre zum Hobby hat. Andererseits sind solche Optionen für hartnäckige Profis mit Farbmessgerät eine wahre Offenbarung, denn wer gerne an Einstellungen spielt, findet beim DPX-1000 ein nahezu grenzenloses Betätigungsfeld. Alle anderen lassen die Grundfarben besser da wo sie Yamaha hinterlegt hat, stellen das Weiß auf 6500 Kelvin mit 0,000uv Abweichung (alternativ +0,005 - der exakte Punkt wäre genau dazwischen) und genießen das tadellose Resultat, wie neben dem kritischen Auge auch das Messdiagramm eindrucksvoll belegt. Alle Graustufen werden praktisch auf einen Punkt im Farbdiagramm geschrieben, das garantiert optimale Farbkonstanz. Da ist es fast akademisch noch anzumerken, dass die Messpunkte im niedrigen Lampenmodus einen Hauch neben dem D65 Punkt liegen, während sie bei voller Lampenleistung praktisch punktgenau treffen.

Vorbildlicher Farbraum (rechts), die Farborte der Grauwerte liegen auf dem Punkt: besser gehts kaum. Damit es es auch klar wird, dass alle 10 Grustufen quasi auf einen Punkt fallen links noch das RGB-Diagramm. Nur minimalste Abweichungen bis hin zu dunkelsten Graustufen.
De-Interlacer
Erwartungsgemäß zeigten sich beim DPX-1000 dank des Faroudja Chipsatzes keine Ausreißer beim De-Interlacing, selbst bei kritischen Szenen blieb der Filmmode des DPX-1000 sehr stabil, allenfalls "Gladiator" und "Titanic" ließen ihn für Sekundenbruchteile ratlos. Kameramaterial mit 50 Bewegtphasen zeigt der Yamaha mit hoher Vertikalschärfe und dank DCDi Diagonalprozessor von den üblichen groben Treppenstufen in bewegten Bildteilen befreit. Auch die bekannten DLP-Artefakte halten sich beim DPX-1000 in engen Grenzen. Zwar blitzt trotz der hohen Farbradgeschwindigkeit bei kontrastreichen Szenen ab und an ein Regenbogen auf, geschulte Augen werden auch einen gelegentlichen "False Contour" Effekt bei bestimmten Schwenks finden. Beide Effekte sind aber so zurückhaltend, dass sie kaum negativ in Erscheinung treten. Dank seines flexiblen Gammas ist DP-X1000 ist ein wahrer Meister der dunklen Bilder. Insgesamt fünf Kurven sind wählbar, wobei A das kleinste Gamma und damit die subjektiv hellsten Bilder produziert. Im Messdiagramm erwiesen sich eher die dunkleren Einstellungen D oder E als korrekte Werte, wobei in hellen Graustufen eine leichte, in realen Bildern kaum merkbare Komprimierung der Graustufen eintritt.
Anschlüsse
Video- und S-Video dürfen nicht fehlen, fahren aber den hochgezüchteten Projektionsmotor allenfalls im Leerlauf. Komponenten sollten es schon sein, progressiv ist nicht von Nachteil aber dank des guten De-Interlacers auch kein absolutes Muss. Die professionellen BNC-Buchsen erlauben den Anschluss dicker Kabelstränge, für die teils langen Laufstrecken ein absolutes Plus. Über seinen analogen RGB-Eingang erschließen sich die Fähigkeiten des Projektors dagegen nur zögerlich. Man sollte die Tabelle im Handbuch sehr wörtlich nehmen, denn außer den dort aufgezählten Kombinationen von Eingang zu Signalform bleibt die Leinwand stur finster. Bei den gängigen Computerauflösungen ist bei weniger als 60 Hertz völliger Blackout. Seine native Auflösung schluckt der DPX-1000 ebenfalls nur bei 60Hz im Modus RGB-TV stellt. Bei 1280x720 mit 50 Hertz zeigte der Yamaha ein stark nach rechts über den rechten Rand hinaus verschobenes Bild. Korrekturmöglichkeit im Menü war Fehlanzeige. Besser sieht RGB bei 576p oder 480p aus, wobei man dem kräftigen Overscan auch hiermit kein Schnäppchen schlagen kann.

Von FBAS bis DVI geht alles vorbildlich die BNC Buchsen für lange Kabelführungen
Viel erfreulicher zeigte sich die DVI-Buchse, bei diesem Gerät als reine Digitalversion (DVI-D) ohne analogen Noteingang ausgeführt. Hier lief die native Auflösung in 50 und 60 Hertz wie eine Eins, praktisch ohne Overscan und mit fantastischem Detailreichtum. Unbedingt die Betriebsart RGB-TV wählen, denn bei dem PC-Äquivalent ruckelt es kräftig. Über die digitale Schiene versteht der DPX-1000 auch die bekannten 576p/480p Signale, holt aber seinen Overscan aus der Mottenkiste. Insofern sollte man so die Quelle es kann - dem nativen Signal den Vorzug geben. Wenn wir in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft mit europäischem HDTV beglückt werden - der Yamaha sollte es darstellen können, denn 1080i/50 findet sich auch auf der Signalliste.

Der interne Videoprozessor im DPX-1000 spitzt die Farbübergänge kräftig an. Bei externem Videoprozessor sind sie so, wie sie sein sollten (oben). Schade nur, dass dieses Enhancement im Menü leider nicht abgeschwächt werden kann.
Sehr erfreulich sind die vielen Menü-Optionen im DVI-Betrieb. Andere sind deutlich sparsamer und lassen nicht einmal grundlegende Einstellungen zu (z.B. Sharp), was Konflikte mit späteren DVD-Playern ohne Einstellung heraufbeschwört. Nicht so beim DPX-1000, dessen flexibler DVI-Anschluss eine Brücke in die Zukunft darstellt. Wenn der direkte digitale Durchgriff zur Quelle möglich ist, erschließt sich die vorerst letzte Stufe zur Bildverbesserung diesseits von HDTV. Der Dune-F mit SDI-Option gab schon eine Vorschau und zauberte jedenfalls traumhafte Bilder auf die Leinwand, die noch rauschfreier herüberkamen bei DLP-Projektoren besonders wichtig in dunklen Szenen.
Fazit:
Yamaha könnte keinen besseren Einstand im High-End Projektormarkt geben. Der DPX-1000 ist kontrasttechnisch überragend und setzt Maßstäbe bei der Farbwiedergabe. Dass er nicht der hellste seiner Klasse ist, wird man ihm aufgrund seines wirklich angenehm leisen Betriebsgeräusches schnell verzeihen. Die flexible, voll motorbetriebene Optik ist noch das Sahnehäubchen, das es sonst nur bei viel teureren Geräten gibt.
Hier punktet der DPX1000:
- hoher Kontrast, hohe Auflösung
- exzellente Optik
- sehr leise
- alle wichtigen Schnittstellen
Das überzeugt weniger:
- zu großer Bildbeschnitt
- mit allen Optionen wenig lichtstark
- 4:3 Format stimmt nicht ganz (1,26:1 statt 1,33:1)
Lichtbilanz:
Einen Projektor wie den Yamaha DPX-1000 mit einer einzigen
Lumenzahl charakterisieren zu wollen, ist schlichtweg nicht
möglich. Zu vielfältig sind die Optionen, zu variabel die
Einsatzvarianten. Ganz klar lässt sich das absolute Lichtmaximum
charakterisieren: mehr als 554 Lumen konnten wir dem Testgerät
in keiner Einstellung entlocken. Bei diesen Einstellungen ist die
Farbwiedergabe klar ab vom Ziel, die Iris offen, Eco-Modus aus -
also eine Einstellung konträr zu allen Zielen der hochwertigen
Bildwiedergabe. Je weiter man optimiert, umso mehr verringert
sich das Licht. Zum Beispiel: der geräuschreduzierte Eco-Modus
kostet 25%, der Kontrastschub durch die Iris auf Cinema reduziert
um 32%, ein optimaler Weißabgleich auf D65 (Weißerhöhung aus
und im Menü auf 6500K mit 0,000uv) schlägt mit 43%
Minderleistung zu Buche. Macht summa summarum 161 Lumen bei
optimiertem Projektor. Knöpfen wir uns mal den Kontrast vor: den
von Yamaha spezifizierten 2700:1 kam das Testgerät mit
fantastischen 2580:1 erfreulich nahe - allerdings wieder in einem
Modus, der weit vom bildtechnischen Optimum entfernt liegt. Hier
muss zwar die Iris auf den kontrastverbessernden
"Cinema" stehen, aber der beste Kontrast ergibt sich
nur, wenn man die Farboptimierung über Bord gehen lässt.
Kontrast ist das Verhältnis von Schwarz zu Weiß, wobei das
Restlicht eines DLP-Projektors nur von Lampenmodus und Iris
abhängt. Das Weiß, und somit im Verhältnis der Kontrast, wird
- wie oben beschrieben - dann am größten, wenn auf eine
Farboptimierung verzichtet wird. Somit unterscheiden sich die
optimierten Praxiswerte deutlich von den Maximalwerten. Bei
optimierter Einstellung erreichte das Testgerät mit
geschlossener Iris 161 Lumen bei einem Kontrast von 1423:1, mit
offener Iris 240 Lumen bei 854:1, jeweils bei der besten
Farbeinstellung und leisem Lampenmodus. Nimmt man mehr Geräusch
in Kauf ergeben sich 209 bzw. 316 Lumen, die Kontrastwerte
verändern sich nicht. Übrigens: die Messung erfolgt
grundsätzlich bei Zoom auf nächster Stellung. Nutzt man das
Tele, verringern sich die Werte.
Vergleich mit Sharp
XV-Z10000
Besonders interessierte mich, wie gut der Yamaha gegen meine
Referenz im Testraum, den Sharp XV-Z10000 abschneidet. Gespeist
von einer gemeinsamen Komponentenquelle, beamten beide
Projektoren ihr Bild Seite an Seite auf die über 3 Meter breite
Leinwand im Testraum. Erster Durchgang mit einfachem
Komponentensignal: bei den statischen Testbildern schneidet der
Sharp etwas besser ab, während der DPX-1000 die feinen Details
eher beschneidet. Farbkanten steilt der Yamaha kräftig auf, so
dass die Farbauflösungsbalken praktisch rechteckig statt sanft
konturiert aussehen (siehe Bild). Bei realen Bildern stellt sich
das Verhältnis erstaunlicherweise etwas anders dar, besonders
wenn schwierige, dunkle Szenen zum Beispiel aus "Final
Fantasy" anstehen. Hier zeichnet der Sharp einfach ein wenig
diffuser. Nahe der Werkseinstellung ist der Sharp eine Idee
grünlastiger, hat aber gleichzeitig durch seine höhere
Leuchtkraft mehr Biss im Bild. Kaum zu übersehen, dass der
DPX1000 durch seinen kräftigen Overscan deutlich mehr vom Bild
beschneidet. Zweiter Durchgang: progressive Zuspielung. Hier
ändert sich erstaunlich wenig: beide legen etwas an Auflösung
zu, der Yamaha zeigt die Farbbalken immer noch überzeichnet und
mit gleichem Bildbeschnitt. Außer der leichten Farbverschiebung
und dem Helligkeitsunterschied gleichen sich die Bilder nun wie
ein Ei dem anderen. Übrigens ist es bei solch dunkellastigen
Bildern sinnvoll, die Rauschunterdrückung zu zuschalten, wenn
auch nur auf der kleinsten Stufe. So wird das DLP-typische
Ditheringrauschen minimiert. Dritter Durchgang: HDTV. Der
Overscan des Yamaha verringert sich bei 1080i deutlich, aber
diesmal schafft der Sharp mehr Knack im Bild. Das zeigt sich in
den Testbildern: jenseits der 10 MHz zeigt der Sharp die Bursts
der "Digital Video Essentials" mit etwas mehr Kontrast.
In der Praxis schaffen beide ein exzellentes Bild, von dem man
seine Augen nicht mehr lassen mag. Die beiden liegen so nahe
zusammen, dass manchmal eine winzige Variation eines
Bildparameters schon den jeweils anderen besser aussehen lässt.
Sicher ist, dass man weder mit dem einen noch mit dem anderen
einen Fehlgriff leistet. Hier sind eher optimale Ein- und
Aufstellung so wie die Größe der Leinwand entscheidend.
Peter Finzel
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