Samsung DVD-HD935 - Kurztest


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Zur herben Enttäuschung geriet ein Kurztest des neuen DVD-Players HD935 von Samsung, dessen besonderes Kennzeichen in einer DVI-Schnittstelle an der Rückseite des Gerätes liegt. Kenner wissen: DVI verspricht die hochwertigste Bildausgabe von DVD-Playern, weil digitale Signale ohne jegliche Umwandlung nach Analog zum Bildwerfer fließen können.

Die technische Lösung klingt zunächst nach einem Sahnestück: der MPEG-Dekoder des Samsung ist intern auf digitalem Weg an einen Faroudja Chip zur Wandlung von analog nach progressiv angebunden, dieser wiederum speist einen Silicon Image Chip zur Ausgabe der Daten auf den DVI-Leitungen. Enttäuschung Nummer Eins: am analogen Komponentenausgang gibt es zwar auch 576p, aber ohne Mitwirkung des Faroudjas. Die Umwandlung erfolgt auf Basis einfachster Interpolation ohne Filmmodeerkennung, wie es in einfachsten Projektoren gehandhabt wird. Nicht mal adaptive Bewegungserkennung ist im Spiel, so dass selbst Standbilder mit Zeilenflimmern behaftet sein können. Im Ergebnis bleibt minimal höhere Auflösung im analogen progressiven Modus, nicht aber das ruhigere, kinoartige Bild, das erst ein Filmmode bringen würde.

Hier muss man ganz klar unterscheiden und darf sich nicht von vollmundiger Werbung täuschen lassen: „Progressive Scan“ heißt lediglich, dass das Signal an der Komponentenschnittstelle ohne Zeilensprung ausgegeben wird. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Filmmode, der erst zu hochwertigen Vollbildern führt, muss keineswegs enthalten sein. Filmmode hat nur bedingt mit progressive Scan zu tun, es ist lediglich ein besserer Weg der Umwandlung von Interlaced in Progressiv. Auf der anderen Seite ist es natürlich eine traurige Angelegenheit, wenn ein Hersteller die Gutgläubigkeit und Unwissenheit der Konsumenten mit solchen Spitzfindigkeiten ausnutzt. Deshalb: wer progressive Scan ohne Filmmode anbietet, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Aber nicht nur bei analoger Ausgabe, auch bei DVI scheint Samsung kein Fettnäpfchen auslassen zu wollen. Beim Test verband ich den HD935 mit einem Yamaha DPX-1000, meine erste Wahl in diesem Fall, weil dieser Projektor seine DVI-Schnittstelle sehr flexibel verwalten kann. Als Nummer zwei nahm er Kontakt mit einem Sharp XV-Z10000 auf. Die Betriebsart der DVI-Schnittstelle wählt man per Knopfdruck an der Frontseite des DVD-Players aus. Nur wenn die in der Taste integrierte Signaldiode rot leuchtet, ist auch 576p für PAL aktiviert. Blau und Grün stehen für 720p und 1080i, bei denen der Player das digitale Signal auf die jeweilige Ausgangsauflösung hochskaliert. Diese beiden Variante hatte ich zunächst aktiviert, wobei besonders 720p sowohl am Yamaha als auch am Sharp in Standbildern brauchbar aussieht. Die Signalanzeigen beider Projektoren bestätigen jedoch, dass in beiden HDTV-Modi zusätzlich auf 60 Hz umgerechnet werden. Das ist für PAL-Quellen nicht empfehlenswert, lässt sich aber am Samsung nicht ausschalten. Pendel und 100Hz-Test der PF-Testdisc zeigen die bei jener Umrechnung unvermeidbaren Bewegungsstörungen. Ergebnis: bei hochwertiger Bildwiedergabe absolut indiskutabel.

Erst im Modus 576p (rot leuchtende Taste) glätten sich die Bewegungen. Aber der nächste Schreck steht ins Haus: das Bild nun von vielen starken Störungen geplagt. Besonders auffällig: es entsteht der Eindruck, als ob der HD935 das Bild skaliert, noch dazu ziemlich krude. Völlig ohne Notwendigkeit, denn gerade die unskalierte Ausgabe wäre der bestechende Vorteil des digitalen Bildtransfers zum Projektor. Die meisten Bildwerfer schleusen 576p nämlich durch die Videoverarbeitung, womit dort nochmals skaliert wird, schließlich muss das Bild ja in korrekten Proportionen auf die Panelauflösung umgerechnet werden. Wenn die Schlussfolgerung stimmt, darf man rätseln, warum der HD935 bei 576p skaliert. Mein Tipp: die Konstrukteure wollen einen definierten Overscan, wozu das Bild erst beschnitten, dann wieder auf 720x576 hochskaliert wird. Ist eine reine Vermutung, würde aber die gesehenen Artefakte erklären.

Wie auch immer, das Ergebnis fällt jedenfalls sowohl am Sharp als auch am Yamaha ziemlich gruselig aus. Besonders gut am Kombitestbild zu sehen: die eigentlich immer gleich breiten dunklen, vertikalen Linien fallen unterschiedlich breit aus - und zwar nicht nur subtil, sondern höchst augenfällig (siehe Bild oben). Zudem treten bei horizontalen Bursts extrem Alias-Artefakte auf, was besonders beim bewegten Burst (Testbild „False Contour“) extrem ins Auge sticht und schon bei drei (!) Megahertz zu herben Störungen führt. Im Screenshot als unterschiedlich dicke Linien schom im linken Burst (3MHz) zu sehen, viel schlimmer bei 4 und 5. Gute DVI-Quellen (z.B. vigatec im 576p Modus) zeigen diese Störungen nicht.

Als wäre das nicht schon schlimm genug, sind auch die Parameter des Faroudjas viel zu hoch eingestellt. Die neueren Chips enthalten einen digitalen "Enhancer" (eine Art aufwändige Schärferegelung), dessen Parameter vom Player festgelegt werden müssen. Beim Samsung hat man der Eindruck, dass alle Regler auf Volldampf stehen müssen: die Linien sind von breiten Saumkanten umgeben (siehe auch Bild ganz oben), Jaggies (Treppenstufen) werden betont und Mpeg-Artefakte werden unschön hervorgehoben.

Addiert man alle Effekte, schreckt das Ergebnis im 576p Modus via DVI nachhaltig. Das Bild auf der Leinwand wirkt ausgesprochen "digital", unruhig und zeigt Treppenstufen ohne Ende. Schon die verzackten Titeleinblendungen von 6 Tage, 7 Nächte genügen (siehe Bild unten rechts), da kann man sich den Rest des Filmes getrost sparen. Ähnliche Effekte sind ständig im Bild, zum Beispiel bei der Strandszene, siehe Pfeil. Ich habe versucht, das fotografisch festzuhalten - schwierig, da man im laufenden Film ohne Standbild arbeiten muss. Verzeihen Sie also die Qualität, aber das Wesentliche ist zu sehen.

Bleibt also festzuhalten, dass der Samsung DVD-HD935 in dieser Form für den europäischen Markt nicht geeignet ist, und zwar auch dann nicht, wenn er als preisgünstiges Einsteigermodell fungieren soll. Es mag etwas anders bei NTSC-DVDs aussehen (nicht getestet), denn dort tritt zumindest das 50/60Hz Problem nicht zutage. Für den europäischen Markt sollte Samsung dringend Änderungen vornehmen. Was im Prinzip kein Problem darstellen sollte (zumindest was DVI betrifft), denn Skalierung und Parametrierung des Faroudjas sollten sich per Firmwarerevision verbessern lassen. In derzeitiger Form kann man vom der Benutzung des progressiven Komponentenausganges und der DVI-Schnittstelle des DVD-HD935 nur abraten.

Peter Finzel

 

Noch ein paar Beobachtungen am Rande: Der HD935 gibt Farbabstufungen über DVI im sogenannten "erweiterten Wertebereich" von 0-255 aus, der gewöhnlich von PCs benutzt wird. Es gibt keine Umschaltmöglichkeit für den normalen Wertebereich von 16-235, wie er bei Videogeräten üblich ist. Falls ein Projektor diesen Wertebereich erwartet und keine Umschaltung besitzt (wie z.B. der Marantz VP12S2), kann eine korrekte Einstellung der Graustufen unter Umständen unmöglich sein (nicht getestet). Mit dem in dieser Hinsicht umschaltbaren Yamaha und dem auf PC-Niveau fixierten Sharp gab es keine Probleme, außer, dass beim Sharp schon ein wenig Feinschliff an Helligkeit und Kontrast wünschenswert wäre.

HDCP: obwohl von einigen Seiten berichtet wurde, dass einige HD935 ohne HDCP ausgeliefert wurden, war das beim Testgerät definitiv nicht der Fall. Angeschlossen an einem Piano Avanti zeigte sich nur ein buntes, flimmerndes Muster (siehe Bild rechts), verursacht durch die fehlende Entschlüsselung im DVI-Port des Piano. Einzige positive Seite: wenigsten kann ich mit dem HD935 zukünftig erforschen, ob Projektoren HDCP tauglich sind.

Völlig auf dem Schlauch stand ich bei den Modi "A" und "B" des DVI-Ausganges, weil ich bisher keine signifikaten Unterschiede erspähen konnte. Das Handbuch trägt nur Allgemeinplätze bei ("...können Sie den Modus einstellen, so dass ein normales Bild angezeigt wird"). Ich bin für eine Mail dankbar, sollte jemand diesem Rätsel auf die Spur kommen.

 


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