29. November 2004: Wahre Helden - Sat 1 zeigt Nibelungen in HDTV


Diese Kombination ist wie Weihnacht und Silvester an einem Tag: einen raren Projektor als Testgerät mit voller HD-Auflösung im Haus und Sat1 sendet den Zweiteiler „Die Nibelungen“ in vollem HDTV. Nur wenige Projektoren sind derzeit tatsächlich in der Lage, die volle HDTV-Auflösung Pixel für Pixel darzustellen. Fürs Heimkino kommen nur zwei Geräte in Betracht: Sonys in Kleinstückzahlen gefertigter Qualia 04 und JVCs HD2K, ebenso wie der Sony mit hochauflösenden 1920x1080 Panel in reflektierender „LCoS“ (Liquid Crystal on Silicon) Technik bestückt – bei JVC jedoch nicht als „LCoS“ sondern mit „D-ILA“ bezeichnet.

Allerdings scheint es keine technische Errungenschaft zu geben, der keine Enttäuschung vorausgeht. Nach aufwändiger Installation der gesamten Kette – Quali-TV Sat-Empfänger, der sein 1080i-Signal verlustfrei per DVI in einem dedizierten Videoprozessor von Faroudja weitergibt, der wiederum nach HD-Deinterlacing den D-ILA Projektor von JVC („HD2K“) mit 1080p per DVI füttert – gab es zwar ein wunderbares, extrem klares Bild - nur der Ton blieb hartnäckig still. Erst nach unendlichen Menüaufrufen und einem kompletten Neuboot der Quali-Box gab es den Ton zunächst zweikanalig. Um ehrlich zu sein: ich rührte keine Taste der Fernbedienung mehr an, um den mühsam erkämpften Ton nicht erneut aufs Spiel zu setzen. Erst beim Abspann versuchte ich mein Glück erneut, und plötzlich gab es auch Dolby Digital 5.1 – Frust komm raus.

Trotzdem ein klasse Erlebnis mit sagenhaft klaren, noch nie so gesehenen Bildern. Selbst auf über drei Meter breiter Leinwand kam zu keinem Zeitpunkt das Gefühl der Unschärfe auf. Das wurde eigentlich erst nach Ende des ersten Teils so richtig bewusst, als Sat1 auf die Standardversion des Filmes umschaltete, die rund eine halbe Stunde länger als die HD-Version dauerte. Schließlich durfte man die hochauflösende Variante ohne Werbung goutieren...

Plötzlich waren die Burgunder Armeen eine unscharfe Masse im Hintergrund, wo man zuvor jeden einzelnen Krieger zu erkennen glaubte. Obwohl das Bild vorher die ganze Leinwand füllte und das Standard-TV Signal nun nur im kleineren „Windowbox“ Modus mit schwarzen Balken auf allen vier Seiten nur einen Teil der Bildwand gesendet wurde, war die volle Fläche mit HD um Größenordnungen schärfer. In Großaufnahme glaubte man jede Pore in Siegfrieds Gesicht ausmachen zu können, Totalen waren ein Fest für die Augen. Besonders feine Texturen werden dank HDTV erstmals sichtbar und lassen die Bilder deutlich realer erscheinen. Das ist wahrscheinlich auch ein Verdienst der voll digitalen Bilderzeugungskette, die vom Digitalausgang des Sat-Receivers bis zu den Panels des Projektors ununterbrochen bleibt.

Ich freue mich auf den zweiten Teil der Saga – diesmal mit funktionierendem Dolby Digital. Eins ist sonnenklar: von hier führt kein Weg zurück. Wenn Sat1 und Pro7 („Pride“) weiter die Rolle des Vorreiters bei HDTV übernehmen (und noch dazu werbefrei…), werde ich am Ende noch zum Anhänger der Privatsender.

Peter Finzel, 29./30.11.2004


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