Sanyo PLV-30
Auch bei Sanyo ergänzt erfreulicherweise ein videoorientiertes Modell schon lange Jahre die Flut der restlichen Datenprojektoren. Statt den niedrig auflösendenen VGA-Panels des Vorgängers PLV-20 hat der neue PLV-30 nun SVGA-Panels mit 800 mal 600 Bildpunkten. Weil Sanyo die derzeit kleinsten Panels mit nur 0,7 Zoll Diagonale verbaut, kann der Projektor entsprechend platzsparend ausfallen. Vielleicht nicht ganz so winzig wie sein nähester Konkurrent, der Sony CS2, aber dafür hat er ganz andere Qualitäten.

Kontrast: ohne Ende!
Beim Thema Kontrast glänzt der PLV-30 wirklich, genauso
wie die Augen des Testers, als er dieses Schwarz sah. Die Messung
bestätigte das Unglaubliche: der Sanyo schafft mehr Kontrast und
damit ein tieferes Schwarz als jeder bisher getestete
LCD-Projektor. Sogar die meisten DLPs steckt er in die Tasche.
Eine reife Leistung! Die äußersten Grenzen der Sanyo-Engine
liegen bei unglaublichen 700:1. Ich habe zweimal nachgemessen, um
es zu glauben. Dieser Wert geht zwar bei der ANSI-Messung durch
Streulicht innerhalb des Lichtweges im Projektors auf rund 230:1
zurück, aber auch das ist immer noch der beste Wert, den ich je
bei einem LCD-Projektor gemessen habe. Erstaunlicherweise fällt
es beim PLV-30 schwer, einen tatsächlichen Restlichtstrom bei
Schwarz anzugeben. Dreht man den Helligkeitsregler jedes anderen
LCD-Projektors herunter, kann man exakt den Punkt finden, ab dem
das Restlicht konstant bleibt. Nicht so beim Sanyo: der wird
selbst noch eine Idee dunkler, wenn man den letzten Tick am
Regler ausfährt. So ungewohnt "analog" reagieren
andere LCD-Projektoren nie. Am Anschlag fällt das Restlicht gar
unter 0,8 Lumen, ein Wert, den die besten DLPs bisher gerade so
realisieren konnten. Allerdings nützt es in der Praxis nicht die
Welt, weil man die Helligkeit viel weiter hochziehen muss, damit
reale Bilder nicht "im Schwarz absaufen". Bei guter
Einstellung erreicht einen Wert von etwas über einen Lumen. Die
Lichtleistung nach der Ansi-Messung lag beim getesten Exemplar
bei rund 490 Lumen im 4:3-Modus und reduziert sich bei
aktivierter 16:9-Schaltung auf 370 Lumen, weil 25% der Bildpunkte
am 4:3-Panel eine ganze Portion Licht aussperren müssen. Wer
auch dieses Licht nutzen will, muss wohl oder übel eine
anamorphe Linse vorschalten (nicht getestet). Die Ausleuchtung
liegt mit über 80% weit im grünen Bereich.
Farben: LCD-typisch
Buchstäblich weniger rosig sieht es bei der Farbabstimmung aus,
die einmal mehr zu kalten Tönen tendiert. In der
Werkseinstellung bewegte sich die Farbtemperatur fast über die
ganze Helligkeitsskala jenseits der 10.000 Kelvin. Akzeptabel
für ein Excel-Sheet, aber ziemlich blass und flau bei
Hautfarben. Auch wenn der PLV-30 leider nur geringen Eingriff
bietet (ein kompletter sechsfacher Farbreglersatz ist nicht
vorhanden), kann man ihn wärmer abstimmen, was zwar der
Farbgleichmäßigkeit schadet, aber subjektiv besser aussieht.
Beim Testgerät erzielte ich mit den folgenden Parametern die
besten Ergebnisse. Wichtig: Die Werte gelten für einen Player
mit ausgeschalteter Schwarzkorrektur. Beachten Sie außerdem,
dass LCD-Projektoren individuell unterschiedlich sein können!
Rot: 38/Grün: 30/Blau: 28/Kontrast: 28/Helligkeit: 38/Schärfe:
8-9/Gamma: 9

Aufstellung, Bedienung:
Der PLV-30
unterstützt alle Aufstellungsvarianten: Decke, Tisch und beides
in (selten gebrauchter) Rückprojektion. In Tischposition muss er
etwas über der Leinwandunterkante aufgestellt werden. Zwar hilft
eine elektronische Trapezentzerrung, falls eine solche
Aufstellung nicht möglich ist, aber der Bildqualität tut man
Gutes, wenn man diesen elektronischen Helfer nicht benutzt. Das
scharf abbildende Zoomobjektiv wird manuell betätigt und hat nur
einen relativ geringen Einstellbereich (1,2x). Für 2 Meter
Bildbreite braucht man minimal rund 4 Meter Projektionsabstand.
Sehr schön: das Menü zeigt nachvollziehbare Zahlenwerte statt
oft gesehener schwammiger Balken an. Nicht so gut dagegen: es
bedeckt die Bildmitte, so dass Einstellungen "im
Blindflug" erledigt werden müssen, besonders ärgerlich
beim Einstellen mit Unterstützung per Testbild. Außerdem: Bei
einem Projektor für Heimkino gehören die Bildparameter und die
Formatumschaltung auf eigene Tasten (beim PLV-30 nicht der Fall),
die Lautstärkeregleung darf dafür getrost entfallen!
Lüftergeräusch
Jammerschade: Mit über 41dB(A) ist es Sanyo nicht
gelungen, dem Lüftergeräusch trotz temperaturabhängiger
Regelung Herr zu werden. Der Rekordhalter auf diesem Gebiet (ASK
M3) ist ganze 6 dB(A) leiser, also subjektiv nur halb so laut!
Bleiben wir gleich bei den Unsitten: die Lampe leuchtet aus der
Ventilationsöffnung. Nicht schlimm, aber es reicht, um im Dunkel
des Heimkinos negativ aufzufallen.
Panels
Als störend zeigten sich ein weiteres Mal vertikale
Streifen im Panel. Dabei ist Sanyo nicht alleine, auch andere
Projektoren leiden darunter. Dieses Problem ist stark vom
Einzelstück abhängig, daher sollte man beim Kauf darauf achten.
Die Streifen sind nicht immer sichtbar, sondern treten verstärkt
bei mittleren Graustufen auf und sind bei ganzflächiger Bewegung
im Bild am leichtesten zu sichten. Es sieht aus, als hätte die
Leinwand Unregelmäßigkeiten, weil die Störungen stationär
bleiben. Bei dieser Gelegenheit sollte man auch auf Pixelfehler
achten. Das Testexemplar hatte einen nicht funktionierenden
Pixel.Klar, die SVGA-Panels sind nicht genug für anamorphes PAL
in ganzer Pracht, aber dennoch ausreichend in den meisten
praktischen Fällen. Schließlich bestimmt auch der interne
De-Interlacer die maximale vertikale Auflösung. Der arbeitet
leider mit auf simplen Interpolationstechniken und zeigt die
sattsam bekannten Artefakte bei bewegten feinen Strukturen. Aber:
dabei muss es nicht bleiben. Den Sanyo kann man tunen bis zum
Umfallen!

Videoeingänge:
Zwar nur ein kleines Anschlussfeld, aber es macht den
großen Unterschied. Besonders die drei Cinchbuchsen für
YUV("YPrPb") haben es in sich, aber mit
Standardsignalen zufrieden ist, findet auch sein Glück:
FBAS-Verbundsignale bearbeitet der PLV-30 mit einem einfachen
Kammfilter, ungünstig ist nur, dass der FBAS-Eingang sich eine
Cinchbuchse mit dem Y-Signal des Komponentensignales teilen muss.
Wer FBAS und YUY gleichzeitig anschließen will, erleidet
Schiffbruch. Bei S-Video arbeitet der PLV-30 sehr
zufriedenstellend, weil er die Farbinformation kaum beschneidet.
Feine Farbdetails wie der 1,5MHz Burst auf der Video Essentials
(T20-CH2) kommen in voller Farbpracht, während der Philips SV1
dort praktisch nur noch schwarz/weiße Balken anzeigt. Resultat
in der Praxis: nur wenig verschmierte Farbübergänge. Das
bessert sich im YUV-Betrieb (siehe dort) nochmals.
RGB-Eingang:
Wie es sich für einen LCD-Beamer gehört, hat der PLV-30 auch
einen RGB-Eingang in Form einer HD-15 ("VGA-") Buchse.
Auch hier selten gesehene Flexibilität: der PLV-30 erkannte alle
Signale, die ich im angeboten hatte. Alle! Eine reife Leistung,
denn meine reichhaltige Auswahl bringt so manch weit teureres
Gerät in die Klemme. Computertypische Signale wie VGA bis SXGA
(letzteres natürlich nur herabskaliert) hakt der Sanyo schon vor
dem Frühstück ab. Aber dann kommts: packt er auch
Spezialitäten wie 15K-RGB? Kein Problem: er zeigt dabei in
seinem Infoscreen nur 25 bzw. 30 Hertz Vertikalfrequenz an, aber
es treten keine Artefakte auf. Wer also unbedingt RGB vom
DVD-Player einspeisen will, könnte mit einem Sync Stripper zu
Potte kommen. Nicht jeder funktioniert: mit dem sonst sehr
patenten Burosch-Converter konnte ich leider kein Bild zuwege
bekommen. Billiger ist zudem die Ankopplung via YUV, siehe unten.
Progressiv umgewandeltes PAL wird am RGB-Port des PLV-30 zwar
erkannt, aber leider stellten sich leichte Bewegungsartefakte bei
Schwenks ein. Zwar keine Schnittlinien, aber deutliche Unruhe im
Bild. Zudem ist die 16:9-Umschaltung ist beim RGB-Betrieb nicht
anwählbar. Mit diesen beiden Punkten wäre das Thema externer
Linedoubler bei anderen Projektoren negativ abgehakt. Nicht beim
PLV-30, der noch Reserven hat: nämlich den Komponentenanschluss.
Komponentenanschluss:
Wer seinen DVD-Player mit drei
Kabel an den YUV-Anschluss des PLV-30 andockt, sieht ebenfalls
die höchste Farbauflösung der DVD - und zwar ohne schwer zu
beschaffendes Zubehör wie einen Sync Stripper. Lediglich bei der
Auswahl des Players muss man etwas aufpassen. Aber die drei
Cinchbuchsen haben noch ganz andere Qualitäten: sie akzeptieren
nämlich auch progressive Signale und somit all die Magie, die
heutiges Heimkino zu bieten hat. Derartige Signale können zum
Beispiel aus einen DVD-Player mit progressiven Ausgang stammen
(derzeit liefert nur der Cineultra und ein modifizierter Denon
2800 solche Signale auch bei PAL-Scheiben) oder natürlich von
einem externen Linedoubler. Wie es der Zufall wollte, war gerade
ein Silicon Image "iScan pro" Linedoubler und ein
CineUltra Progressive Scan Player zur Hand. Bei beiden Geräten
lässt sich der progressive Ausgang auf YUV-Betrieb umschalten.
Allerdings muss man der Versuchung widerstehen, die VGA-Buchsen
untereinander direkt zu verbinden, sonst bleibt es bei RGB mit
den oben geschilderten Einschränkungen. Für den korrekten
YUV-Anschluss braucht man ein Adapterkabel, wozu zum Beispiel ein
BNC-Monitorkabel plus drei BNC-Cinch Adapter taugt (die
Sync-Kabel bleiben unbenutzt). Dieser Anschluss wirkt Wunder:
jetzt ist die 16:9 Umschaltung auch bei progressiven Signalen
aktivierbar, und 50Hz ruckeln obendrein nicht mehr. Nun gut,
praktisch nicht mehr, denn beim Schwenk Anfang Kapitel 8 in 6
Tage 7 Nächte erkennen wachsame Augen eine winzige Stockung.
Für einen LCD-Beamer ist das resultierende Bild höchst
beachtlich: keine Interlace-Artefakte, (fast) kein Ruckeln,
tiefes Schwarz - was will man mehr? Allerdings trübte ein
kleiner aber nerviger Fehler den Freudentaumel: völlig
unmotiviert kam es zu kurzen Bildaussetzern, die - besonders
lästig - das Format immer auf 4:3 zurücksetzten. Das passierte
beim Testaufbau sowohl mit iScan als auch mit dem Cineultra
immerhin 2 bis 3 mal im Film, also auf keinen Fall hinnehmbar.
Erst dachte ich, es kommt von der automatischen Auswahl des
Videomodus. Standardmäßig steht der PLV-30 auf
"Auto", er kann aber auch fest auf 480i, 576i, 480p,
575p (!) 720p, 1035i (Muse) und 1080i eingestellt werden. Leider
brachte auch die Einstellung auf 575p keine Besserung, so dass
eine Ursache für den kurzzeitigen Bildausfall während der
Testphase nicht zu ermitteln war. Vielleicht (hoffentlich!) gibt
es sich bei einem Firmwareupdate des Sanyos, denn es wäre mehr
als schade, wenn die geniale iScan/Cineultra-PLV30 Kombination an
so einem lästigen Bug scheitern sollte.
Betrieb am HTPC
Auch am Heimkino-PC musste der PLV-30 zeigen, was er
drauf hat. Allerdings überzeugte mich die Vorstellung nicht
vollständig. Schwenks sahen deutlich ruckelig aus, was nur zum
geringen Teil am HTPC lag, denn am Röhrenbeamer floß es
deutlich besser. Interessant für Tüftler: der PLV-30 erlaubt
sogar das Abspeichern eigener Signalbänke
("PC-Anpassung).Das ist aber eher etwas für Bastler- und
Spielernaturen. Aber es ist natürlich gut zu wissen, dass es
überhaupt geht. Andere Geräte bieten solche Optionen gar nicht!
Andere, "ähnliche" Modelle:
Neben dem PLV-30 gibt es von Sanyo auch ein Gerät mit
der Typenbezeichnung PLC-SW10 zum gleichen Preis. Aber Vorsicht:
die technischen Daten versprechen zwar 200 Lumen mehr, aber nur
einen Kontrast von 250:1 (Prospektangabe PLV-30: 400:1). Der SW10
war nicht zum Test bei mir, aber schon die obigen Daten sprechen
Bände, um dem PLV-30 eindeutig den Vorzug zu geben. Ganz klar:
Im Heimkino geht Kontrast immer vor Helligkeit! Natürlich gibt
es auch entsprechende Modelle von Eiki: die heißen LC-VM1 und
LC-SM1, wobei der VM1 mehr oder weniger dem PLV-30 entsprechen
sollte (nicht getestet!). Optisch unterscheidet sich das Gehäuse
des Eikis leicht vom Sanyo, was aber wahrscheinlich eher
kosmetischer Natur ist.
Fazit
Mit einem Listenpreis von 7000 Mark strahlt ein neuer
Stern am Einsteigerhimmel: mit überragendem Kontrast ist der
PLV-30 der neue Tipp für Projektorneulinge. Ein bißchen leiser
wäre der PLV-30 noch schöner, aber er liefert schon bei
einfachster S-Videoverbindung ein akzeptables Bild und hat das
Zeug, mit den Ansprüchen des Benutzers zu wachsen.
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