Panasonic PT-AE300 - Überraschung eingebaut - Home


Habe ich gestaunt. Hinter der coolen Frontblende des Panasonic PT-AE300 verbergen sich einige noch viel coolere Überraschungen. Soviel sei verraten: der derzeit europäischste aller LCD-Projektoren kommt just aus Osaka.

Dass der PT-AE300 seine Werksangabe mit 800 Lumen um rund 15% verfehlt, tut wenig zur Sache, denn seine besten Qualitäten zeigt er ganz woanders Zum Beispiel im "Kino 1" Modus, der die Lichtausbeute auf 390 Lumen reduziert, aber dafür relativ (siehe Diagramm) stimmige Farben auf die Leinwand bringt. Der resultierende Kontrast von 480:1 bei einem Schwarzpegel von 0,8 Lumen ist für einen LCD-Projektor sehr ordentlich und wird auch von wesentlich teureren Geräten im farbkorrigierten Modus nur wenig übertroffen. Leider zeigt er, wie im übrigen viele andere LCD Projektoren auch, keine völlige Farbkonstanz über alle Graustufen. Während er im "Kino1"-Moduszwischen 30 und 70 IRE dem D65 Punkt ziemlich nahe ist, kippt die Farbbalance bei hellerem Weiß zum Grün, weil Rot und Blau etwas schwächeln. Nebenbei bemerkt: Diagramme wie die unten sollte man am linken Rand bei "0 IRE" immer etwas mit Vorsicht betrachten, denn dort ist der Fehler des Messsensors wegen des geringen Lichtpegels naturgemäß am größten.

Auch im Modus "Kino 1" bleibt Panasonic beim Gamma minimal unter der üblichen 2,2. Der zweite Modus ("Kino 2") hebt die Gammakurve weiter an, um dunklere Bildteile aufzuhellen. Mit einem geübten Blick kann man das den Gammakurven unten gut entnehmen - aber auch an realen Bildern problemlos nachvollziehen. Leider hat dieser Modus sein Blau bei hellen Bildstellen deutlich weniger im Griff. Panasonic gibt dem AE300 auch noch eine Reihe zusätzlicher Bildmodi mit, die für Music, Sport etc. ideal sein sollen. Ist natürlich reine Geschmacksache, denn diese Modi bevorzugen kältere Farbtemperaturen um 10.000 Kelvin. Wer selbst gerne einstellt, findet auch beim PT-AE300 reichlich Gelegenheit: sowohl Farbtemperatur als auch Gamma lassen sich per Hand feinfühlig justieren, ja sogar die Bildlage lässt sich für geringen Overscan rundum optimieren.

Die Lampensparschaltung ist die erste große Überraschung des PT-AE300. Noch keiner war leiser, Panasonic schlägt sogar die Lüftungsmeister NEC und Philips aus dem Feld. Der PT-AE300 säuselt so leise vor sich hin, dass man beinahe nicht bemerkt, dass er überhaupt angeschaltet ist. Noch schöner, dass sich die Lebensdauer der Lampe dabei erhöht (max. 5000 Stunden laut Werksangabe, wobei die Betriebsanleitung etwas unklar formuliert) und nur minimaler Lichtaustritt an der Lüftung das Kinovergnügen stört.

 

Überraschung Nummer zwei: die neue "Smooth Screen" Technologie, die im PT-AE300 Premiere feiert. Eine neuartige Linse mit "Doppelbrechung" versucht die sonst unvermeidlichen Lücken zwischen den LCD-Pixeln zu überbrücken. Das gelingt in der Praxis sehr, sehr ordentlich, der Fliegengittereffekt wird merklich abgemildert ohne die Schärfe zu beeinträchtigen.

 

Bleibt Überraschung Nummer drei: der Panasonic besitzt einen Filmmode für PAL. Will heißen, er kann die besondere Struktur von Filmabtastungen erkennen und daraus perfekte Vollbilder rekonstruieren. Diese Technologie war bisher bei preiswerten Projektoren noch viel zu selten zu finden. Meinen Testfilm (Na was wohl: 6 Tage, 7 Nächte...) schaffte Panasonics neuer Chip erstaunlicherweise fast ohne Beanstandung, aber bei den kritischen Szenen von Gladiator und Titanic geriet er ein paar Mal arg ins Schlingern. Trotzdem: ein begrüßenswerter Zusatz, der auch ohne Progressive-Scan DVD-Player für filmähnliche Bilder sorgt. Vollkommen überzeugte dann noch die optimale Aufbereitung von PAL -Quellen, so dass jede Zeile genau auf einen der 540 vertikalen Bildpunkten fällt. Diesen Trick verfehlte der Sanyo Z1, der ja ebenfalls mit selbigem Pixelraster ausgestattet ist.

Als wären drei noch nicht genug, sorgte auch das reichlich gefüllte Anschlussfeld für baffes Erstaunen. So eine Vielfalt gab es bei Projektoren in dieser Preislage noch nicht. Besonderes Merkmal: eine Scartbuchse. Ja wirklich, Scart. Auch zweimalige Zwicken in die Nase half nicht: es war keine Fata Morgana. Unter Kennern hat Scart bei Projektoren oft ein recht negatives Image, das eher von Ausreißern wie "Movin" oder "Moviedream" geprägt war. Der PT-AE300 zeigt endlich, dass es auch vernünftig geht. Er akzeptiert willig RGB-Signale über diese Schnittstelle, so wie er YPrPb über seine drei Cinchbuchsen verarbeitet. Letzte sind durch hohe Farb- und Helligkeitsauflösung sichtbar transparenter als S-Video, außerdem nehmen sie auch progressive Signale in Empfang, so dass der PT-AE300 noch Potenzial für weiteres "Tuning" enthält. Auch HDTV bereitet keinerlei Probleme, außer dass es schwer ist, sich diesen derart scharfen und klaren Bildern wieder zu entziehen. Die Pixelstruktur des PT-AE300 ist ja durch seine Panels mit 960x540 Bildpunkte auf HDTV optimiert - in beiden Dimensionen exakt die Hälfte der populärsten HDTV-Auflösung (1920x1080). Genau der Grund, warum man diese Panels auch als "Quarter-HD" bezeichnet. Übrigens sind auch diese Panels nicht ganz frei von den ominösen Streifenmustern, die so manchen LCD-Projektor plagen. Dafür hat Panasonic die Farbhomogenität sehr gut im Griff, die bei manch anderem Gerät für einseitig verfärbte Bilder sorgt.

 

Kaum zu glauben: sogar eine DVI-Buchse findet sich. Panasonic positioniert den AE-300 trotz des relativ moderaten Preises als "High-End" Gerät und spendiert ihm somit alle leckeren Zutaten. Er erkennt SVGA und XGA problemlos, muss naturgemäß leicht skalieren. Auch die 50Hz-Varianten laufen ruckelfrei und lassen sich mit ganz erstaunlicher Schärfe auf ganze Panelbreite ziehen. Nur schade, dass er 576p über diesen Eingang nicht zeigen will.

 

Eine praktische, beleuchtete Fernbedienung zusammen mit einem klaren, flinken Menü trägt zum hohen Gebrauchswert des PT-AE300 bei. Seine weitwinklige Optik ist auf den wohl in Japan typischen Raum für 6 "Tatami-Matten" optimiert, was im Klartext bedeutet, dass er auch in kleinen Räumen ein verblüffend breites Bild schafft. Verzerrungen durch Schrägprojektion lassen sich nur elektronisch korrigieren, dafür aber in beiden Dimensionen, womit auch eine Projektion mit seitlichem Versatz erlaubt ist. Auch praktisch: der kleine Kartenleser seitlich, mit dem sich digitale Fotos und (qualitativ weniger berauschende) MPEG-4 Videos abspielen lassen - allerdings nur, wenn sie auf SD-Karten gespeichert sind.

 

Bei den Einstiegs- bis Mittelklasseprojektoren sorgt der PT-AE300 für eine echte Überraschung. Er ist flüsterleise, scharf, erfreulich gut auf europäisches PAL angepasst und sehr flexibel durch vielfältigste Anschlüsse. Zwar kostet er etwas mehr als sein schärfster Konkurrent, der Sanyo Z1, aber dafür ist er in praktisch allen Belangen besser ausgestattet - bis auf den optischen Lens-Shift. Auch erreicht er nicht ganz das Kontrastpotenzial von teils preiswerteren DLP-Projektoren, dafür gibt es den lästigen Regenbogen hier garantiert nicht zu sehen. Insgesamt ein rundum empfehlenswerter Projektor.

 

p.f.

 

Starker Auftritt bei:
Filmmmode und PAL-Optimierung
Vielfältigste Eingänge & Einstellungen
Wirksames „Smooth Screen“
Sehr leise

Weniger überzeugend in:
Farblinearität
leichte Streifen auf Panels (haben mehr oder weniger fast alle LCD-Projektoren)