Panasonic PT-AE500 - HDTV preiswert


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HDTV Auflösung zum Schottenpreis gab es auch schon anderweitig, aber der Panasonic PT-AE500 bringt mit „Smooth Screen“ eine derzeit einzigartige Technologie mit, die endlich mit sichtbar gerasterten LCD-Bildern aufräumt. Dieser Effekt ist zwar schon durch die hohe Auflösung der Breitbildpanels mit 1280 mal 720 Bildpunkte minimiert, aber erst durch Panasonics spezieller „Doppelbrechung“ wird ein sehr homogenes Bild erreicht, das anderen LCD-Projektoren deutlich fehlt.

 

Wenige LCD-Projektoren können in der Kontrastdisziplin überzeugen, und wenn, dann meist auf Kosten der Farbabstimmung. Panasonic versucht den Spagat mit einer überreichlichen Auswahl an Betriebsarten zu meistern. So übertrifft der „Dynamik“ Modus tatsächlich den beworbenen Kontrast von 1300:1 - ein wirklich seltenes Phänomen in dieser Branche. Freilich ist dieser Modus eher vom Typ „Wir-schaffen-den-Wert“ als ein wirklich brauchbares Werkzeug. Die Farbtemperatur liegt jenseits von Gut und Böse, Gamma und Farbkonstanz sind ebenfalls weit vom Schuss. Das Gamma sieht bei „Normal“ schon mal deutlich besser aus, aber die Farbtemperatur schwankt immer noch von 11000 (dunkel) bis 8000 Kelvin in hellen Bildstellen. Der Modus „Video“ liegt gar um die 9300K, also eigentlich in einen für PCs benutzten Bereich, und auch „Natur“ ist mit 8000 Kelvin nicht unbedingt am Punkt. Erfreulicherweise pendelt sich der Modus „Kino 1“ ganz nahe der genormten 6500 Kelvin (genauer: D65) und zeigt sogar annähernde Konstanz über Graustufen. Nicht so „Kino 2“, das wesentlich kühler abgestimmt und somit weniger empfehlenswert ist.

Der Modus der Wahl ist somit „Kino 1“, und wer noch etwas nachbessern will, sollte die Einstellung „Farbton“ - gemeint ist natürlich Farbtemperatur - besser nicht verwenden, weil sie zu grob arbeitet. Das erweiterte Menü lässt dagegen sehr detaillierte Korrekturen zu und bietet sich geradezu für eine Kalibrierung des Projektors an - ich konnte den PT-AE500 beinahe perfekt hinbiegen (siehe unten). Sogar die Gammakurve kann mit drei Reglern dieses Menüs fein nachgestellt werden, aber ohne Messgerät ist eine korrekte Einstellung eher Glücksache. Im unveränderten „Kino-1“ Modus ergibt sich ein Gamma von rund 2,0, das somit zu hell zeichnet und die empfundene Raumtiefe schmälern kann. Nach reichlichen Versuch und Irrtum schaffte ich noch die 2,1, aber falsche Einstellungen verbiegen das Gamma kräftig - also Vorsicht.

Bei der Grauskala (die Punkte in der Mitte des CIE-Diagramms) ist zumindest werksmäßig im Modus Kino1 eine Optimierung auf D65 erkennbar, wenn es auch zu dunkleren Graustufen hin zu kälteren Abstimmung abdriftet. Mit etwas Fleiß und einem Farbmessgerät kann die Grauskala von 10 bis 100% praktisch auf den Punkt justiert werden - siehe rechts. Beim Testgerät war die für obige Messung notwendige Einstellung RH -2, RK+3, BH -5, BK+4 - sollte aber individuell abgeglichen werden (hängt auch vom AI-Modus ab!).

Beim Gamma konnte mit den drei Gammajustagen Fein, Mittel und Hell und beinahe jegliche Verbiegungen hergestellt werden- nur 2,2 ergab das nie. Mit Gamma Mittel auf -2 und Gamma Fein auf -1 konnte ich mich an 2,1 annähern. Grundsätzlich sind die werksmäßig voreingestellten Gammawerte beim PT-AE500 etwas zu klein, das Bild also zu stark aufgehellt.

Wie kaum anders zu erwarten, kommt die Farboptimierung bei „Kino 1“ zu einem Preis: der Kontrast reduziert sich auf rund 370:1. Das ist der Punkt an der Panasonics neue AI ins Spiel kommt. Mittels Lampenmodulation wird der Kontrast erhöht, in dunklen Szenen also die Leistung der Lampe abgesenkt, während sie in hellen Szenen mit maximaler Leistung strahlt - siehe „Geist der Lampe“. Dank AI gelingt eine kräftige Erweiterung des Kontrastes auf 560:1. Das mag auf den ersten Blick weniger klingen als beim Wettbewerber Sanyo Z2 - aber bedenken Sie, dass der PT-AE500 diese Zahl bei optimaler Farbeinstellung schafft, wovon der Z2 ein ganzes Stück entfernt war. Im praktischen Test überzeugte der PT-AE500 mit gesättigten, plakativen Farben, lediglich das Rot tendierte etwas zum Orange, vielleicht ist der Farbfilter etwas zu sehr an NTSC-Primärfarben orientiert. Dunkle Szenen gleiten etwas zum bläulichen hin ab, aber sind definitiv noch auf der tolerablen Seite. Leider funktioniert die Kontrasterweiterung per AI nur im starken Lampenmodus, womit der Geräuschpegel steigt – diese Werte finden Sie auch in der Tabelle. Die Messwerte sind mit AI abgenommen, wer auf den erhöhten Kontrast verzichten will, erfreut sich mit lediglich 32dB(A) eines wirklich leisen Betriebsgeräusches.

Dafür zieht er bei der Flexibilität der Aufstellung gegenüber dem mit Lens-Shift ausgestatteten PLV-Z2 eindeutig den Kürzeren - der PT-AE500 ist mit zweidimensionaler Trapezentzerrung auf gleichem Niveau wie der HS3, nur vergab Panasonic noch keinen so werbeträchtigen Namen wie Sonys “Side Shot” für diese Funktion. Weil der PT-AE500 reichlich mehr Auflösung für PAL mitbringt, bleiben nach selbst nach extensiver Trapezkorrektur immer noch genug Bildpunkte übrig, was für niedriger auflösende Geräte mit WVGA-Panel (854x480) keineswegs gilt.

Anschlussfeld: alles was das Herz begehrt bis hin zu DVI

Angesichts der Rückseite wird es selbst abgebrühten Testern warm ums Herz: alles, aber auch wirklich alles da. Standardeingänge sowieso, aber auch Komponente und - Scart. Nun ist das nicht gerade die gängigste Schnittstelle bei Projektoren, aber mit Sicherheit die häufigste in Europa, und sie überträgt Videobilder dank RGB-Fähigkeit mit guter Auflösung. Besonders nützlich, wenn der Projektor mal eben im Wohnzimmer aufbaut oder zu Bekannten mitgenommen wird. Angesichts der kleinen Abmaße des PT-AE500 sind solche Ideen ja gar nicht so abwegig. Ebenfalls ist der PT-AE500 für gelegentliche Geschäftsanwendung mit einer VGA-Buchse versehen. Natürlich reicht es nicht ganz für XGA-Auflösung, was für die eine oder andere Schererei mit Windows sorgt. Wesentlich trefflicher lässt sich der AE500 aber über seine DVI-D Schnittstelle mit digitalen Quellen verbinden, worunter hauptsächlich PCs und entsprechend ausgestattete DVD-Player wie Pioneers 868 fallen, letzterer natürlich etwas außerhalb projektorbezogenen Preisrahmens. Trotzdem schwer empfehlenswert, denn gerade mit nativer 720p Zuspielung ging beim AE500 richtig die Sonne auf. Fast kein Overscan, Details soweit das Auge reicht, einfach klasse. Geht man nur mit 576p in den DVI-Port, macht der Panasonic auch noch ein gutes Bild - aber 720p war in dieser Kombination einfach besser. Für einfachere Videosignale hat Panasonic dem AE500 einen De-Interlacer mit Filmmode spendiert, der die meisten Szenen hinkriegt, aber wenn es etwas brenzlig wird, dann kneift er. Insofern ist progressive Zuspielung, am besten dann gleich über DVI, eine sehr gute Idee.

Fazit: Kompliment an Panasonic: ein klasse HDTV-Projektor zum kleinen Preis. Große Farbstabilität, ausreichend Kontrast und überragende Auflösung zu einem Preis, für den man bisher zur Einsteigerklasse greifen musste.

p.f.

Das überzeugte mich:
* Kein Pixelraster durch Smooth Screen
* gute Farbabstimmung, kalibrierbar
* wenig Shading
* einfacher Filmmode
* Viele Schnittstellen inklusive DVI
* Sehr leise


Weniger überzeugend in:
* Kein Lens-Shift
* etwas lauter, wenn AI aktiv
* vertikale Störstreifen

 

Der Geist der Lampe
Nachdem die Kontraststeigerungen bei LCD-Panels etwas hinter den Erwartungen zurückbleiben, greifen mehr und mehr Hersteller zu flankierenden Maßnahmen wie Blenden oder besonders Lampenmodulationen. Blenden sind bei LCD nur begrenzt wirksam, weil das Streulicht nicht mit der Vorzugsrichtung kippender Spiegeln (DLP) behaftet ist, das sich mit geschickt geformten Blendenöffnungen minimieren ließe. Mehr Erfolg verspricht da schon eine dem Bildinhalt angepasste Lampenleistung, die bei dunklen Szenen minimiert und bei hellen Filmstellen auf maximaler Kraft leuchtet. Die meisten bisherigen Projektoren boten ja bisher schon eine Lampensparschaltung, bei Sony zum Beispiel „Cinema Black” oder „Kinoschwarz” genannt, die den Lichtpegel - und meist auch die Geräuschentwicklung - für Filmgenuss reduzierten. Nur ist die volle Leuchtkraft des Projektors in diesem Modus logischerweise nicht mehr verfügbar. Das lässt sich jedoch trefflich mit einer Automatik für die Lampenleistung beheben, wie sie Panasonic im PT-AE500 erstmals einsetzt. Die etwas hochtrabende Bezeichnung „AI” (für Artifizielle Intelligenz) verdeutlicht wohl, dass ein Schaltkreis die mittlere Bildhelligkeit abschätzt und die Lampe passend nachsteuert. Ergebnis: Das Restlicht bei Nachtszenen wird sichtbar reduziert, und natürlich ist man beim Hersteller auch dankbar, dass der Zahlenwert des On/Off Kontrasts werbewirksam ansteigt. Schon vor Panasonic setzte Sanyo übrigens eine ähnliche Technologie beim Z2 ein, auch die neueren Modelle bei Epson sind mit von der Partie.

Panasonic implementierte gleich zwei Modi für die Art der Nachsteuerung der Lampenleistung: AI-1 ist eher für dunkle Filme geeignet, während AI-2 etwas mehr aufhellt. Natürlich lauern auch ein paar Fallstricke auf solche trickreichen Kontrasthilfen: so kann theoretisch Helligkeitspumpen auftreten, wenn die Nachregelung zu langsam oder zu nervös stattfindet. Bei Testbildern und einigen Filmausschnitten konnten wir aber nichts davon bemerken. Deutlicher merkbar war dagegen die Steigerung des Betriebsgeräusches gegenüber dem Lampensparmodus, weil ja in Sachen Lüftung auch für helle Bildstellen vorgesorgt werden muss. Etwas subtiler sind Eingriffe in Gammakurve und Farbkonstanz, weil sich das Spektrum einer Entladungslampe je nach Leistungszufuhr ändert. Je weniger Saft in die Birne kommt, um weniger rote Anteile werden produziert - gerade umgekehrt wie bei Glühlampen. Auch ist das Gamma nun eine Funktion von zwei Komponenten, nämlich der Ansteuerung der Panels und der Lampenleistung - sicherlich auch nicht ganz trivial. Fakt ist: Eine Kalibrierung des Projektors wird mit Lampenmodulation bestimmt nicht einfacher. Die Lampensteuerung ist beim Panasonic ganz hübsch trickreich. Im Gegensatz zu den beiden manuellen Stufen benutzt „AI“ eine Art Overdrive, ist also einen Tick heller bzw. dunkler als die beiden ebenso vorhandenen manuellen Stufen. Besonders „Dynamik“ vermindert nochmals die Lampenleistung, offensichtlich wollte Panasonic hier einfach die 1300:1 knacken.

Nebenbei bemerkt, gibt es übrigens noch eine dritte Methode der Kontraststeigerung bei LCDs: mit Farbfilter. Beim PT-AE500 bietet sich zum Beispiel der „Normal” Modus (rund 550:1, nicht farboptimiert, Gamma OK) an, der zunächst mit optischen Filterung auf bessere Farbtemperatur gebracht werden müsste, nur der Feinschliff erfolgt per Menü. Damit bliebe der höhere Kontrast nahezu erhalten. Klar: Die Ausführung ist allerdings nur etwas für Tüftler mit Farbmessgerät. Aber nimmt man dann noch „AI“ dazu, ist die 1000er Grenze nah.

p.f.


Copyright 2003 by Peter Finzel. Verbreitung nur mit schriftlicher Zustimmung des Autors.

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