DLP-Projektortuning zum Nulltarif


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Warum mehr Distanz mehr Kontrast schafft
oder Die Macht der Sterne.

Es begann mit einem Sternchen. Ein ganz harmloses Sternchen noch dazu, das Sharp im Prospekt hinter der Angabe „Contrast: ratio 2000:1*“ des XV-Z201 gesetzt hatte. Berufsbedingt skeptisch, wie Tester nun mal sind, vermute ich hinter jedem derartigen Sternchen eine kleine Trickserei. „Measured at the tele position of the zoom lens“ fand sich in der zugehörigen Fußnote („gemessen bei maximalem Tele“), was zunächst nur Kopfschütteln hervorrief  und meine Vorbehalte scheinbar bestätigte. Was für einen Grund sollte es geben, dass sich der Kontrast mit der Stellung des Zooms ändert? Natürlich sorgt ein auf kleinere Fläche gezoomtes Bild erstmal für helleres Weiß, weil der gesamte Lichtstrom des Projektors eine kleinere Fläche beleuchten muss. Aber genau das gleiche passiert ja auch mit dem Restlicht bei Schwarz, so dass das Verhältnis von beiden Werten - eben der Kontrast - doch völlig gleich bleiben sollte. Klingt logisch, aber trotzdem, irgendwie wollte der Zweifel nicht weichen.

Also warf ich meinen Messgerätepark an. Eben jener Sharp mit Objektiv auf Weitwinkel ließ die Leinwand bei 2 Meter Bildbreite mit 59,5 Candela pro Quadratmeter (cd/qm) erstrahlen, sogar etwas heller, wie es für Kino vorgeschrieben ist. Zusammen mit dem danach gemessenen Schwarz von 0,082 cd/qmm führt das zu einem Kontrast von 726:1 (bei optimierter Einstellung). Dann Platzwechsel, den Sharp einen knappen halben Meter weiter nach hinten und Objektiv auf Telestellung, so dass sich die gleiche Bildbreite ergibt. Gespannt notierten wir die Werte: 56,3 cd/qm bei Weiß, also eine Spur dunkler durch Benutzung des Teles und – 0,63 cd/qm bei Schwarz. Ja soll man’s glauben: ergibt 894:1. Ganze 23% Kontrast gewonnen, das Schwarz deutlich abgesenkt und dabei nur minimal an Lichtstrom eingebüßt - beinahe unglaublich, und noch dazu völlig kostenlos. Jetzt wollte ich’s aber genau wissen und habe einige andere Projektoren durch den Messparcours geschickt. Mit ähnlichem Resultat - solange es sich um DLP handelte. Einer davon, der ScreenPlay7200 (Test ebenfalls in diesem Heft) legte sogar um starke 33% zu, vermutlich durch sein weites Zoom von 1:1,4. Sogar der Plus Avanti erstrahlte in ganz neuem Licht.

Der einzige greifbare Projektor auf LCD-Basis behielt seinen Kontrast, ganz gleich wie ich das Zoom einstellte. So ganz abwegig waren meine bisherigen Gedanken denn doch nicht. Aber wie man von Highendigen DLPs weiß, reagieren die Klappspiegler sehr sensibel auf Blenden in der Optik. Im Telebereich wird der optische Lichtweg eingegrenzt, was im Endeffekt wie eine Blende im Lichtweg wirkt. Die unglaubliche Senkung bei Schwarz ergibt sich aus der speziellen Art des Restlichtes bei DLP, das sich - wie bei High-Endprojektoren sattsam bekannt - durch Blenden entscheidend verringern lässt. Nur wirkt diese methode auch bei Modellen ohne eingebaute Blende, eben wenn man das Zoom ausfährt. Die minimal geringere Leuchtdichte bei Weiß ergibt sich aus der kleineren Lichtstärke eines Zooms im Telebereich, geht aber nur unbedeutend ins Kontrastverhältnis ein.

Bei LCD zeigen bereits die Projektortests von Sanyo Z2 und Sony HS20, dass Blenden bei dieser Technik deutlich weniger bewirken. Weil nur ein Gerät gerade verfügbar war, kann ich Verbesserungen bei anderen Projektoren natürlich nicht ausschließen, doch dürften sie sich auf relativ bescheidenem Niveau bewegen. Erstaunlicherweise sieht es bei High-End Beamern mit DLP-Technik ganz ähnlich aus: beim Sharp XV-Z10000 ließen sich nur Verbesserungen von wenigen Prozent erreichen. Hier schätze ich, dass die Blende das Potenzial bereits ausschöpft. Erstaunlicherweise ist die Verbesserung nur geringfügig besser, wenn man die Blende öffnet – beim Sharp der „High Brightness“ Modus. Wahrscheinlich öffnet die Blende nicht vollständig und entfaltet so immer noch eine Restwirkung.

Freilich lässt sich diese Art des Kontrasttuning nicht in allen Räumen so realisieren, denn so manches auf lange Projektionsdistanz ausgelegtes Gerät müsste dann extrem von der Leinwand entfernt stehen, oft nicht zu realisieren.

Mit Ausnahme der High-End Beamer mit Irisblende kann man aber nur einen Rat geben: Im Interesse des beste Kontrast- und besten Schwarzwertes DLP-Projektoren generell so weit von der Leinwand weg aufstellen, wie es Raum und Zoom zulassen. Den Sternen sei Dank, dass wir es nun genau wissen.

Peter Finzel

 

Messtabelle: Alle Werte bei 2 Meter Bildbreite auf Stewart Studiotek 130 (1,3 Gain) mit jeweils einer Messung in der Bildmitte abgenommen, Format 16:9, gemessen mit hochpräzisem Minolta LS100 (Messbereich bis 0,001 cd/qm), Projektoren jeweils in optimierter (nicht maximierter!) Einstellung. Maximal erreichbare Werte liegen höher.

Projektor System Weitwinkel
Weiß
cd/qm
Weitwinkel
Schwarz cd/qm
Weitwinkel
Kontrast
(on/off)
TeleWeiß cd/qm Tele Schwarz cd/qm Tele
Kontrast (on/off)
Kontrast-
verbesserung
ScreenPlay5700 DLP 76,2 0,123 620:1 67,5 0,082 823:1  33%
Sharp XV-Z201 DLP 59,5 0,082 726:1 56,3 0,063 894:1  23%
Avanti 3200 DLP 41,3 0,086 480:1 40,2 0,068   591:1 23%
Eiki EIP1 DLP 47,5 0,180 264:1 47,8 0,158 303:1  15%
Sharp XV-Z10K-HB DLP 88,5 0,076 1164:1 85,7 0,071 1207:1 4%
Sharp XV-Z10K – HC DLP 54,5 0,034 1602:1 52,3 0,032 1634:1 2%
Sony HS3 LCD 35,9 0,136 264:1 34,7 0,133 261:1 -1%

HC: High Contrast Modus, HB: High Brightness Modus. Die Tabelle zeigt übrigens auch einen schönen Vergleich von Lichtstärken und Restlichtpegel. Keine Frage: der HD2 im Sharp XV-Z10000 ist bei dieser Auswahl der Chef.


Copyright 2004 by Peter Finzel. Verbreitung nur mit schriftlicher Zustimmung des Autors.

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