Epson TW-100: der Einserkandidat


Breitbild ist bei Projektoren groß im Kommen - und das ist auch gut so. Auch Epson, bisher eher in der Sparte Businessprojektoren aktiv, schickt mit dem EMP-TW100 ein Gerät mit hochauflösenden Breitbildpanels speziell für das Kino zu Hause ins Rennen. Damit muss sich der Newcomer in Sachen Heimkino gleich mit Platzhirsch Sony messen, dessen VW11 bereits auf die Erfahrung eines Vorgängers zurückgreifen kann. Epsons Attacke hat reichlich Substanz: der TW100 entpuppt sich als wahrer Einserkandidat im Meßparcour und eroberte momentan den Thron bei LCD-Projektoren mit Breitbildpanels.

Lichttechnik & Kontrast
Beides zusammen war bisher schwierig: entweder viel Licht oder echte Farben. Nicht aber beim TW100: mit gemessenen 618 Lumen bleibt er zwar leicht hinter der Werksangabe zurück, aber dafür darf man diesen Wert wörtlich nehmen. Es bedarf keiner Lampensparschaltung und keiner Farbkorrektur um optimale Ergebnisse für Filmprojektion zu erzielen. Bei anderen Projektoren (wie dem Sony VPL-VW11HT oder dem Sharp XV-Z9000) können diese beiden Punkte schon mal die Hälfte des Lichtes entsorgen. Der TW100 setzt zwar keine neuen Tiefstwerte bei der Lärmemission, aber die 36,8dB(A) sind durchaus kompromissfähig. Besondere Freude gab es bei der Kontrastmessung: bei 260:1 Ansi-Chart und stolze 514:1 beim On/Off Kontrast darf man den Ingenieuren bei Epson schon mal auf die Schultern klopfen: das haben sie gut im Griff. Der mittlere Schwarzpegel liegt mit 1,2 Lumen niedriger als bei allen anderen vergleichbaren LCD-Projektoren zuvor. Nun gut, einige DLP-Projektoren sind besser (längst nicht alle), aber die sind entweder bescheidener in der Auflösung (Piano) oder eben teurer (Sharp). Allenfalls fällt beim TW100 die starke Blautönung des Restlichtes störend auf, ein Leiden, das er mit vielen anderen LCD-Projektoren teilt.

Farben
Die Farben sind der eigentliche Clou des TW100. Der Epson lässt sich einfachst auf optimale Farbwiedergabe justieren. Und zwar auf Punkt 6500 Kelvin über die ganze Grauskala (mit Ausnahme des Restlichtes). In der Testtabelle ergab sich eine Abweichung vom Idealwert von gerade mal 1%, das ist absolute Spitzenklasse. Nur muss man wissen wie man’s einstellt, was die vielfältigen Menüoptionen nur allzu leicht kaschieren. So geht’s: den Farbmodus auf "Natürlich", die Farbtemperatur unter "Farbjustage" auf 6500 Kelvin und - wichtig - die "Fleischfarbe" auf 1 einstellen. Wie bitte? Fleischfarbe? Steht im Menü wirklich so drin! Obwohl man drüber schmunzeln möchte und einen geplagten japanischen Übersetzer vorm geistigen Auge sieht, hat dieser seltsame Menüpunkt den wohl größten Einfluß auf das Bild des TW 100. Er zügelt nämlich den Grünüberschuss der Projektionslampe. Wer’s nicht glaubt: erhöht man im "PC"-Modus die Fleischfarbe auf 4-6, erinnert man sich, wie das magere Bildergebnis der meisten Präsentationsprojektoren aussieht. Grün, hell - nichts wie weg damit. Dagegen ist die farboptimierte Einstellung ein echter Segen.

Aufstellung
Der TW100 bringt ein kräftiges 1,35x Zoom mit, das eine gehörige Freiheit bei der Wahl des Aufstellungsortes lässt. Noch besser: schon bei kurzer Projektionsentfernung entstehen großflächige Bilder: zwei Meter Bildbreite lassen sich mit weniger als 3 Meter Abstand erzielen. Zusammen mit der feinen Struktur seiner HDTV-Panels (1280x720 Bildpunkte) realisiert der TW100 auch in kleinen Räumen großes Kino, ohne dass Artefakte wie Panelstruktur in den Vordergrund treten. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt aber: bei genauer Betrachtung lassen sich minimale vertikale Streifen im Panel ausmachen. Auch das haben wir bei LCD-Projektoren schon häufiger festgestellt.

Bedienung & IR-Geber:
Wollte man bei "Wetten dass" einen Projektor an der Fernbedienung erkennen, müßte man beim TW100 genau aufpassen. Epson hat nämlich bei den Wettbewerbern Yamaha und Sony gut Maß genommen. Sechs Speicher für voreingestellte Parameter kennt man, ebenfalls die Bezeichnung A und B für die Komponenteneingänge. Wer umsteigen will, braucht jedenfalls nicht lange nachdenken. Das Bildschirmmenü ist etwas klein ausgefallen, läuft aber schnell und bietet vor allem eine fixe Einstellung der Bildparameter mit der "Select"-Taste. Zusammen mit der Formattaste, der zuschaltbaren Beleuchtung und den sechs Speichern ist Epsons Bedienkonzept ausgereift.

Eingänge:
Neben der Pflicht (FBAS mit Kammfilter, S-Video mit 1,2 MHz Farbbandbreite) hat Epson auch noch die Kür spendiert: ein Komponenteneingang akzeptiert auch progressive Kost, eine analoge PC-Buchse, die sich auch als zweiter Komponenteneingang umkonfigurieren lässt und - Wow! - ein DVI-Eingang (siehe Kasten TW100 am PC) mit analoger Option. Schon mit S-Video liefert der TW100 faszinierende, hochaufgelöste Bilder, bei denen selbst der 6,75 MHz-Burst noch gut erkennbar ist. Wie immer gibt es ein Plus an Farbauflösung durch Komponentenverbindung, aber der TW100 zeigt sich verkrampft gegen Makrovision bei dieser Signalart . Hier droht Verlust des Syncs, was zu durchlaufenden und zitternden Bilder führt. (Anmerkung: dieses Problem sollte inzwischen mit einem Update gelöst sein).

Interner De-Interlacer & Scaler
So und nicht anders muss es sein: in einen Heimkinoprojektor mit Anspruch gehört ein guter De-Interlacer. Der Faroudja-Chip mit perfektem Filmmode in PAL und NTSC steht dem TW100 hervorragend zu Gesicht. Endlich Schluß mit gerissenen Kanten, endlich Schluß mit matschigen Bildern durch bescheidene Vertikalauflösung. Zudem hat Faroudjas neue Chipgeneration auch den DCDi Diagonalprozessor an Bord, was halbbildorientierte Videosignale (Musikvideos, Sport) bedeutend optimiert. Dabei hat der TW100 auch gegen Sharp&Sony die Nase vorn: Sonys Breitbilbbeamer kann den Filmmode nur in NTSC. Sharp kann auch PAl, aber man muss ihn per Hand aktivieren. Auch beim TW100 kann man im Menü Hand anlegen: einmal per "Progressiv" Modus und per "Bewegungserkennung". Die Verflechtung dieser beiden Menüpunkte ist allerdings sehr undurchsichtig geraten, daher besser möglichst auf Automatik stehen lassen. Auf keinen Fall die Bewegungserkennung auf "5" stellen, dann wird nämlich auch der Filmmode ausgeknipst. Optimal erwies sich Progressiv auf "Film/Auto" und die Bewegungserkennung auf einem mittleren Wert, z.B. 3. Mit letzter Einstellung lässt sich die Vollbildgenerierung für schnellere und langsamere Bewegungen (kleinere Zahlen) bei Kamerasignalen optimieren. Je kleiner der Wert, um so besser wird Zeilenflimmern unterdrückt. Man darf sich nicht zuviel davon versprechen, denn eigentlich begrenzender Faktor für schnelle Bewegungen ist eher die Trägheit der LCD-Panels als die Interpolation des De-Interlacers. Richtig sichtbar ist erst der Sprung auf den Filmmode.

Progressiv extern
Ganz klar: mit einem Kaviar De-Interlacer an Bord kann man sich die Mühe externer progressiver Zuspielung im Grunde sparen. Allenfalls kann man einen Deut Farb- und Helligkeitsauflösung herauskitzeln, weil der De-Interlacer bei einem ProScan DVD-Player direkt vom digitalen Datenstrom gefüttert wird. Der Auflösungsgewinn geht leicht auf Kosten der Bewegungsglätte, daher Vorsicht. Den besten Erfolg hat man mit Komponentensignalen, die man aber unbedingt von Makrovision rein waschen sollte. Mit einem CineUltra im YPrPb-Modus gab es gelegentlich Bildaussetzer, weil die Makrovisionsstörungen dem TW100 gar nicht schmeckten. Das gilt übrigens verstärkt für Komponenten im Interlaced-Modus! Von RGB sollte man besser gleich die Finger lassen, denn in diesem Modus stellt der TW100 seine Formatverwaltung auf PC um, ungünstig für ProScan Player. Besser also die Mühe sparen und schlichtweg einen guten Interlaced-Player mit Komponentenausgang anschließen. Dann einfach zurücklehnen und die Show genießen. Die Komplikationen mit ProScan Playern und HTPCs können Sie beim TW100 getrost andern überlassen.

15K-RGB vom DVD-Player
ist nicht empfehlenswert. Nach kurzer Bedenkzeit stellt der TW100 das Format zwar ein, umgeht aber den Faroudja-Chip. Vergessen Sie’s.

Formate
Respekt vor Epson: es gibt keinen verzerrten Modus, der 4:3 Bilder nichtlinear ins Breitbildkorsett zwängt. Wir applaudieren, aber es könnte natürlich einige noch nicht sensibilisierte Kunden geben, die eben dies bemängelt werden. Sei’s drum: Filme sollte man in dem Format anschauen, für das sie gemacht wurden. In diesem Sinne: Bravo, Epson!

Squeeze: Nutzt die Breite des ganzen Panels, also richtig für anamorphe DVDs. Die Bezeichnung (Squeeze gleich gequetscht) ist etwas irreführend, gilt eher für 4:3-Panels. Bei 16:9-Panels muss man eher expandieren...
Normal: erzeugt ein Bild im 4:3-Format mit schwarzen Balken links und rechts.
Zoom: im "Letterboxformat" wird ein 4:3-Bild aufgezoomt, dass eventuelle schwarze Balken (bei Scope natürlich zum Teil) aus dem Bild fallen.
Through/Squeeze Through: direkt abbildende Modi kennt man auch vom Wettbewerb, aber beim TW100 sind sie zur Abwechslung mal richtig sinnvoll. Er legt nämlich exakt eine Videozeile auf eine Pixelzeile des Panels. Damit wird das Bild kleiner, aber feiner - weil der Skalierer weniger eingreifen muss. Die Squeeze-Version dehnt horizontal exakt auf das 16:9-Format.

Kleiner Wermutstropfen: der Overscan fällt mit gut 25 DVD-Pixel pro Seite zu groß aus. Da wäre ein Menüpunkt für "kleinen Overscan" (so wie InFocus das macht) sehr hilfreich. Im "Through"-Modus werden übrigens dank des Overscans nur 525 vertikale Pixel dargestellt - die restlichen fallen der Overscanschere zum Opfer. Positiv: alle Formate stimmen recht exakt.

Der TW100 am PC
720 vertikale Bildpunkte werfen am PC stets leichte Probleme auf, vom 16.9-Format ganz abgesehen. Die derzeitige Standardauflösung der meisten PCs erfordert 768 vertikale Pixel, was eine Skalierung mit allen verbundenen Problemen erforderlich werden lässt. Daher verändert der TW100 die Formatverwaltung bei RGB-Input. "Normal" skaliert jeden PC-Screen auf 960x720 Pixel, Zoom formatiert auf volle Panelbreite unter Beibehaltung der korrekten Formates, wobei Bildteile oben und unten ab XGA-Auflösung entfallen. Der dritte und letzte Modus (Through) bildet Pixel auf Pixel ab, was maximal bis 800x600 funktionieren kann und darüber gar nicht angeboten wird. In der Praxis verhielt sich der Epson unproblematisch am PC. Solange man bei vertrautem analogen VGA-Anschluss bleibt, kann man sich mit der Skalierung von XGA auf 960x720 anfreunden, es wirkt einen Tick unschärfer als echtes XGA, aber für Gelegenheitsanwendung durchaus diskutabel. Die Zoom-Variante ist schon eher schwierig, weil Bedienelemente von Windows nicht mehr sichtbar sind. Sie hilft aber beim Abspielen von DVDs via HTPC, um das Bild auf die volle Breite zu ziehen. So sah es - von den PC-üblichen Bewegungsartefakten abgesehen - eigentlich ganz brauchbar aus. Wichtigster Vorteil gegenüber dem eingebauten De-Interlacer: der Overscan ist in diesem Modus gleich Null.

Bei DVI-Anschluss - der ja für direkte digitale Ankopplung steht - ist Skalierung ein völlig inakzeptabler Notbehelf. Hier muss einfach Pixel auf Pixel passen, sonst kann man sich das teure DVI-Kabel gleich einsparen. Wie üblich zickten PC und Projektor bei dieser State-of-the Art Verbindung erst gehörig herum, bis sie sich schließlich auf SXGA (1280x1024) verständigen konnten, das der TW100 im "Zoom"-Modus auf volle Breite bringt. Obwohl immer noch Zeichen leichter Skalierung erkennbar waren, war das Bild scharf, überzeugte aber trotzdem nicht auf ganzer Linie. Viele "digitale" Artefakte plus Bewegungsstörungen trübten die Optik. Nichts also, was ein echter PC-Freak in einigen durchgearbeiteten Nächten mit reichlich Megabytes frischester Treiber aus dem Web geradebiegen könnte. Alle anderen sparen sich diese Mühe, schließen besser Komponenten an den Videoeingang und genießen momentan dank eingebautem Profilinedoubler das exzellente Bild des TW100.

Fazit
Epson startet von Null auf (TW-) Hundert. Der TW100 ist ein echter Siegertyp. Wem die Einsteigerklasse nicht ausreicht, findet mit dem Epson echten Mehrwert zum - relativ gesehen - moderaten Preis. Farben, De-Interlacing, Lichtleistung, Anschlüsse: hier stimmt einfach alles. Klar, Schwarzpegel und Geräuschemission lassen noch Raum für Verbesserungen. Aber in der Summe seiner Eigenschaften ist der TW100 schlichtweg der Champion im Mittelfeld der Heimkinoprojektoren und somit ein echtes Highlight!

P. Finzel

 

Vergleich zu anderen 16.9 Breitbildprojektoren:

Sony VW11: Ebenfalls gute Farbabstimmung, aber zusammen mit aktivierter Lampensparschaltung fällt der Lichtpegel deutlich geringer als beim TW100 aus. Zudem arbeitet der Filmmode des Sonys nur bei NTSC! Vorteil des VW11: Die minimal höhere Auflösung der Sony-Panels lassen volles XGA vom PC zu.

Sanyo PLV60: kann nicht ernsthaft gegen den TW100 punkten. Es fehlt an der Grauskala, am De-Interlacer, am Kontrast und an der Stille. Viel Licht, genug Auflösung für XGA und ein Shiftobjektiv stehen auf der Habenseite.

Toshiba TLP-MT7: verwendet vermutlich die gleichen Panels wie der TW100. Sonst fehlt es an der Farbabstimmung, am De-Interlacer und an hochwertigen Eingängen. Immerhin soll es inzwischen ein Progressive-Update erhältlich sein. Und: der MT7 ist sehr leise.

16:9-Projektoren außerhalb des Preisrahmens:
Panasonic PT-AE100E: weniger Auflösung, einfacherer De-Interlacer, weniger Licht. Für Einsteiger dank des niedrigen Preises trotzdem ein echtes Schnäppchen, aber keine echte Konkurrenz zum TW100

Sharp XV-Z9000E: gleiche Auflösung, viel mehr Kontrast, besseres Schwarz. Filmmode (manuell einzuschalten), Shiftobjektiv. Auf der Passivseite der Bilanz steht weniger Licht und die 1-Chip DLP-Artefakte: teils sichtbar Regenbogen (wenig), False Contour und Probleme bei der Abbildung feiner Graustufen. Außerdem: Sehr teuer.

 

Einstellung:
Etwas unschön beim TW100: die Einstellungen – besonders der Schwarzpegel – sind etwas grob unterteilt. Hier unsere beste Einstellung:

Schwarzpegel: -1, Weißpegel: -3, Schärfe: -1, Farbe: 0, Farbjustage: Natürlich, Farbtemperatur: 6500K, Fleischfarbe(!): 1 - Progressiv: Film/Auto - Bewegungserkennung: 3 - NR: Off -

Copyright 2002 by Peter Finzel. Verbreitung nur mit schriftlicher Zustimmung des Autors.

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