Hitachi PJ-TX100 Illumina- LCD mit Pfiff


--> Startseite

Nach Sanyos Z2, Panasonics AE500 und Epson bemerkenswerter TW200/500 Kombination setzt Hitachi als vierter Hersteller zum Sprung ins preiswerte HDTV-Territorium der LCD-Projektoren an: der mit Seiko-Epson Panels (1280x720 Bildpunkte) bestückte PJ-TX100 ist mit einem hervorragenden zweidimensionalen Shift-Objektiv ausgestattet und erfreut zudem mit einigen durchdachten Details.

 

Farben & Gamma
Farben zeigt der TX100 tatsächlich zu viele: besonders mit Ausnahme von Cyan sind alle Primär und Sekundärfarben außerhalb des genormten Dreiecks – was in erster Linie von der Güte der im TX100 verwendeten Filter zeugt. Diese Qualität käme aber erst richtig zur Geltung, wenn es, wie zum Beispiel bei Epsons TX200/500 ein Farbmanagement gäbe, mit dem man die Punkte auf Norm zurechtstutzen könnte. Gibt es leider nicht, insofern muss man mit den etwas zu kräftigen Farben leben, die besonders im grünlich/gelben Bereich ins Auge fallen. Hier hilft es nur, die Farbsättigung etwas mehr zurückzunehmen, wobei man dann aber eben alle Farben (wie Cyan) dämpft, und nicht nur die, die im Überschuss vorhanden sind.

CIE-Diagramm: spannt einen weiten Farbraum auf, was bester Nährboden für ein Farbmanagement wäre, mit dem die die jeweiligen Normfarbpunkte angefahren werden können. Aber schade: Farbmanagement gibt es beim TX100 nicht.

Der Weißabgleich ab Werk ist leider alles andere als gewissenhaft. Das kann man deutlich ohne Farbmessgerät feststellen, denn der violette Grundton der 6500K Einstellung im Menü sticht besonders in den mittleren Graustufen hervor. Bleibt also nur ein Abgleich mit geschultem Auge (schwierig) oder mit einem Farbmessgerät (teuer). Hitachis Techniker sollten sich mal ansehen, wie elegant Wettbewerber Epson dieses Problem gelöst hat! Dem Testgerät verhalfen folgende Korrekturen zu einer brauchbaren Grauskala:

 

Beachten Sie aber, dass die links im Bild dargestellten Werte stark vom einzelnen Gerät abhängen können. Aber eine generelle Tendenz zur Einstellung per Auge und Grautreppe darf man sicherlich ableiten. Die dunkelsten Grautöne lassen sich allerdings LCD-typisch kaum in den Griff bekommen, so schimmert das Restlicht ziemlich blaulastig und auch das Messdiagramm zeigt, dass bei die 10% Graustufe immer noch weit von der Norm abweicht. Wenigsten das: die Gammakurve ist schon bei „Vorgabe 1“ mit 2,3 ziemlich genug dort, wo sie auch sein sollte. Wer will, kann noch an einem grafisch gut gelungenen Gamma-Equalizer eingreifen, um z.B. dunkles nach Gusto etwas weiter aufzuhellen.

Die typischen LCD-Eigenheiten sind leider auch bei TX100 zu beobachten: Shading, also ein Farbverlauf bei grauen Testbildern von links nach rechts war beim Testgerät ziemlich ausgeprägt. Die leichten vertikalen Streifen, als „Vertical Banding“ bekannt waren nicht übermäßig präsent, können aber von geübten Beobachtern schnell entdeckt werden. Der „Screendoor“ Effekt, der das bei LCD kräftige Raster der Bildpunkte sichtbar werden lässt, ist deutlicher als beim Panasonic AE500 (dort durch „Smooth Screen“ Technik versteckt), aber bei nicht übertrieben nahem Abstand zum Bild durchaus akzeptabel. Mich störte am meisten der latente Blaustich in dunklen Bildern, den man wie gesagt auch mit guter Farbjustierung nicht vollständig weg kriegt.

Lichtleistungen
Maximal schafft der TX100 rund 1070 Lumen in der Bildmitte, bei optimierter Farbe und aktiviertem „Stillmodus“ (Lampensparschaltung) bleiben davon knapp 490 übrig. Die lassen sich dank einer feinfühlig einstellbaren Irisblende fast nach Wunsch skalieren:

Iris 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Weiß/Lumen 161 161 175 234 293 347 399 419 475 487 487
Schwarz/Lumen 0,27 0,27 0,30 0,41 0,52 0,63 0,75 0,87 0,97 1,02 1,02
Kontrast 605:1 605:1 583:1 570:1 568:1 550:1 531:1 510:1 489:1 479:1 479:1
Empf. Breite 1,5m 1,5m 1,6m 1,8m 2,0m 2,2m 2,35m 2,4m 2,6m 2,6m 2,6m


Gemessen bei Stillmodus an, optimierter Farbwiedergabe, Kontrast und Helligkeit nahe Werkseinstellung. Achtung: Werte gemessen, wenn man von Hell nach dunkler schaltet. In der anderen Richtung stellen sich etwas veränderte Zwischenwerte ein!

Wie bei LCD-Projektoren kaum anders zu erwarten, erlaubt die Iris eher die Anpassung der Lichtleistung (siehe letzte Spalte, bei Gain 1 gerechnet) an eine gegebene Leinwandbreite, als dass Sie zur Kontraststeigerung dient. Der Zuwachs an Kontrast ist verhältnismäßig gering und wird mit sehr starken Einbußen an Licht erkauft. Man muss zwei Drittel des Lichtes opfern, um nur 26% Kontrast zu gewinnen. Das macht nur bei kleinen Leinwandgrößen oder Tüchern mit viel Gain richtig Spaß, sonst wird es schnell schummrig. Bei 2 bis 2,5 Meter Breite mit moderatem Gainfaktor im Tuch sind Iriswerte von 3 bis 5 empfehlenswert.

Eingänge
Die Rückwand des TX100 leidet keinen Mangel an Buchsen, besonders erwähnenswert ist die DVI-D Buchse, die 1280x720 bei 50 Hertz ohne Bewegungsstörungen darstellen kann. Auch die 576p fließen gut sehen über diese Schnittstelle sehr transparent aus. DVI lässt sich vorbildlich als „Computer“ oder „DVD“ konfigurieren, so dass sowohl 16-235er („DVD“) und 0-255 Wertebereiche angepasst werden können. Sowohl bei 576p als auch bei 720p ist die Formatumschaltung aktiv. Über Komponente lässt sich der Overscan von 90 bis 100% stufenlos regulieren – diese Feature wünscht man sich bei allen Projektoren. Die Schärfe agiert etwas kräftig, bei Testgerät lieferte „3“ die besten Werte. Einen Filmmode für PAL kennt der TX100 trotz gleichlautender Einstellung im Menü nicht, aber immerhin einen brauchbaren adaptiven De-Interlacer für Videosignale, was z.B. den meisten TV-Bildern entgegenkommt. Filme sollte man aber tunlichst progressiv zuspielen – von einem Player mit Filmmode. Die Auflösungswerte im progressiven Modus sind sehr gut in Luma und Farbe.

Bedienung & Aufstellung
Das weite Shiftobjektiv hat einen immensen Zoombereich: die kürzeste Einstellung liegt bei dem 1,25-fachen der Bildbreite, womit schon in kleinen Zimmern große Bilder möglich werden. Im Telebereich kann der TX100 über den doppelten der Bildbreite entfernt stehen, ergibt einen Zoomfaktor von 1:1,6 – eine feine Sache. Noch besser der zweidimensionale Lens-Shift, dessen Getriebe sich aber leicht zu „verknören“ scheint. Als ich den Projektor bekam, wollte sich das Objektiv nur bis zur halben Höhe drehen lassen. Nach ein paar Mal hin und herdrehen beider Räder sprang das Objektiv plötzlich ein Stück hoch, und seither kann man das Bild eine halbe Bildhöhe nach oben, über eine halbe Bildhöhe nach unten und jeweils eine viertel Bildbreite nach links oder rechts schieben. Unschärfen bei extremer Anwendung des Shifts hielten sich in vertretbaren Grenzen. Die Fernbedienung ist zwar klein, aber an der Praxis orientiert. Sie lässt sich beleuchten, besitzt direkte Tasten für Helligkeit, Kontrast und Farbe. Auch Eingänge und die Iris lassen sich direkt ansprechen. Das Menü ist sehr kompakt, aber man findet sich nach kurzer Orientierungsphase schnell zurecht.

Fazit
Leider war der TX100 nur sehr kurz bei mir, so dass ein Gesamturteil schwierig zu fällen ist. Er braucht sich in den Punkten Licht, Kontrast und Farben auf keinen Fall hinter Sanyos Z2 und Panasonics AE500 verstecken, hat aber leider die schlechteren Farbpresets im Vergleich zum Epson TW200. Dafür gibt es bei Hitachi eine DVI-Buchse, tja nun, schwere Entscheidung. Ich meine, dass man mit dem Hitachi PJ-TX100 bestimmt nicht falsch liegt, eventuell sollte man noch das Geld für eine Optimierung beim Händler oder einem Dienstleister mit einkalkulieren, oder ein Farbmessgerät ausleihen. Weil Hitachis Presets so weit ab vom Schuss liegen, ist dieses Geld gut angelegt.

Peter Finzel.

Plus:
- flexibles Shiftobjektiv
- DVI-Buchse
- Licht skalierbar über Iris-Blende
- Sehr leise (33dB(A) im „Stillmodus“

Minus:
- Farbpresets weit daneben
- Leichte LCD-Artefakte
- De-Interlacer ohne Filmmode

Preis: ca. 2000 Euro


Copyright 2004 by Peter Finzel. Verbreitung nur mit schriftlicher Zustimmung des Autors.

Zurück zur Startseite