FAQ - NEC VT540


Die Welt der Projektoren steckt voll von Überraschungen. Bisher durfte man von NEC allenfalls auf maximale Helligkeit getrimmte Bildwerfer erwarten, die im Konferenzraum glänzten, daheim beim Filmabend aber eher für Ernüchterung sorgten. Das hat sich nun gründlich geändert: der neue VT540 setzt nämlich auch bei Videobildern neue Maßstäbe für LCD-Projektoren. Nach vielen Generationen hat man bei NEC endlich den Bogen raus. Der VT540 hat alles, was das Herz im Heimkino höher schlagen lässt: Breitbild, Komponenten, viel Licht mit akzeptablem Schwarz, ist relativ leise und (für einen XGA-Projektor) nicht mal allzu teuer!

Wie sieht es mit einer 16:9-Umschaltung aus? Werden alle wichtigen Formate berücksichtigt?
Der VT540 hat ein Umschaltung in das 16:9-Format, das dank XGA-Auflösung der Panels sogar anamorphe PAL-Auflösung vollständig darstellen kann. Leider ist die Umscahltung schamhaft tief im Menü versteckt und als "Kinoformat" tituliert - Zornesader, schwill ab. Überhaupt – soll man es für möglich halten – man scheint sich bei NEC richtiggehend Gedanken über breite Bildformate gemacht zu haben. Erstens ordnet der VT540 seine Bildschirmmenüs so an, dass sie nicht über die 16:9-Fläche hinausragen. Wer jemals eine Leinwand im 16:9-Format beleuchtet hat, der weiß, wie lästig es ist, wenn die Menüs teils in der schwarzen Abschattung liegen. Aber noch hat man in der Designabteilung von NEC nicht vollständig realisiert, worum es bei breiten Bildern wirklich geht. Die anderen vorhandenen Formate wie "Zoom" und "Widezoom" sind nämlich eher etwas für Filmbanausen, denn Sie zoomen Letterbox- und anamorphes (!) Format jeweils auf 4:3 hoch – mit entsprechendem seitlichen Bildverlust versteht sich. Viel nützlicher wäre ein Format, das 4:3 wieder in den 16:9-Ausschnitt einpasst ("Windowboxing"). Damit nämlich wäre der VT540 geradezu der ideale Projektor für breite Leinwände im 16:9-Format geworden, so bleibt es bei einer halben Sache bezwiehungsweise bei einer Empfehlung für 4:3-Leinwände. Schade!. Noch einen Wunsch gefällig? Wie wäre es, wenn man das 16:9-Fenster nach oben oder unten schieben könnte? Bei manchen Installationen ist diese Kleinigkeit extrem wichtig. Also, liebe Design-Ingenieure: vergesst formatentstellende Zoommodi und konzentriert euch auf das Wesentliche!

Was bringt der NEC's Eco-Modus?
Sein Licht schöpft der VT540 aus einer 160 Watt starken Lampe, die er im "Eco"-Modus mit reduzierten 130 Watt befeuern kann. Ein im Heimkino nicht zu unterschätzendes Feature, das Sony im VW10 bekannt werden ließ, dort als "Kinoschwarz" benannt. Wichtig dabei: auch NEC nützt die Vorteile der reduzierten Lampenleistung konsequent aus. So schont eine längere Lampenlebendauer (im Eco Mode immerhin 1000 Stunden mehr) den Geldbeutel, zusätzlich schalten die Lüftermotoren einen Gang herunter, was den VT540 richtiggehend zu einem Leisetreter unter den LCD-Projektoren werden lässt. Das lässt sich auch messtechnisch erfassen: im ECO-Modus liegt der VT540 mit 37,2db(A) nur geringfügig über dem des VW10HT. Das gilt allerdings nur, wenn Sie hinter dem Projektor sitzen, denn er bläst seine Abluft über einen Schlitz unterhalb der Objektives nach vorne, wo folglich die Lärmemission mit etwas höher ausfällt. Sobald man die Lampe im regulären Modus betreibt, steigt der Geräuschpegel um gut wahrnehmbare 2db(A) an, bleibt aber gerade noch im Rahmen.

Wieviel Licht erzeugt der NEC?
Licht bringt der VT540 mehr als genug mit, wenn auch das getestete Exemplar mit maximal 833 Lumen die Werksangabe nicht ganz erreichte. Wenn man den Eco-Modus aktiviert sinkt die maximale Lichtleistung um 20% ab, aber der verbleibende Lichtstrom reicht unter idealen Heimkinobedingungen immer noch ziemlich weit. Mit rund 660 Lumen ergibt das eine Bildbreitenempfehlung von 2,4 Meter (2,9m bei voller Lampe), was für richtig großes Kino genug sein sollte. Einziges (kleines) Manko: seine Gammakurve bei optimaler Helligkeits- und Kontrasteinstellung tendiert etwas unter die Nulllinie. Um keine Details in den Schatten zu verlieren, sollte daher der Helligkeitsregler angehoben werden, was wiederum dem Restlicht ein wenig schadet. Farben zeigt der NEC kräftig, er neigt schon mal zur Übertreibung: So färben sich die Wolken über der Rennbahn von "Super Speedway" leicht rötlich. Gibt man sich entsprechende Mühe, kann man den VT540 mit seinem vollständigen Farbreglersatz zu einer (fast) perfekten Farbtemperatur von 6500 Kelvin verhelfen.

Wie ist es mit Kontrast und Schwarz bestellt?
Das Restlicht auf der Leinwand bei Schwarz sinkt im Eco-Mode ebenfalls ab. Das ist nicht zu unterschätzen, denn traditionell schneiden LCD-Projektoren in der "Schwarz"-Disziplin recht schlecht ab. Kaum zu glauben, das Restlicht des VT540 beträgt weniger als 2 Lumen, ein Rekord für einen so hellen LCD-Projektor. Das drückt sich auch im Kontrastverhältnis aus. Selbst am berüchtigten ANSI-Testbild konnten wir rund 190:1 messen – das hat noch kein 3-Panelgerät vor dem VT540 geschafft! Mißt man gar nach dem On/Off Verfahren, das Reflexionen in der Optik außen vor lässt, kommt man sogar auf abenteuerliche Werte über 350:1. Angesichts dessen wollten wir fast nachsehen, ob nicht doch statt des LCD-Panels ein Spielgelchip im Inneren des NEC werkelt. Spaß beiseite: Die Messwerte zeigen, dass hier enorme Fortschritte in der LCD-Technik stattgefunden haben. Das merkt man dem Videobild des VT540 in jedem Pixel an. Besonders berüchtigte Weltraumszenen bringt der NEC ungeheuer plastisch herüber. Echte Röhrenfans werden zwar noch herummäkeln, aber für einen LCD-Projektor ist das schon sehr respektabel. Selbst die gefürchtete Eingangssequenz von "Legends of the Fall" kann man dem VT540 getrost zumuten. Sicher, meine Röhrenreferenz, der Seleco SVD800HD im Team mit einem Faroudja DVP2200 kann es schon noch deutlich besser, kostet aber auch rund das vierfache des NECs.

Welche hochwertigen Eingänge unterstützt der VT540?
FBAS und S-Videoeingänge hat der VT-540 sebstredend. Wer das Videobild mit hochwertigen Verbindungen tunen will, dem stehen beim NEC alle Wege offen. Die RGB-Buchse akzeptiert YUV-Komponenten und auch 15k-RGB aus einem Sync Stripper. Auch US-HDTV findet Eingang, inklusive 480p-Material aus "Progressive-Scan" DVD-Playern. Einziger Wermutstropfen: es gibt keinen 576p-Modus, der wichtig für progressive "PAL"-Discs wäre.

Fazit:
Äußerlich ist der VT540 ein recht gelungenes Gerät, sieht man von drei Kleinigkeiten an: erstens hat die Fokussierung keinen "Anfasser", so dass man dabei leicht mit dem Finger auf die Linse kommt. Zweitens sieht der Anschluss des Netzsteckers an der Frontseite nicht gerade schmuck aus, wird aber zur Mode (siehe Sony CS1). Drittes: die scheckkartengroße Fernbedienung scheint auf den ersten Blick nicht angemessen, arbeitet aber sehr zuverlässig und hat alle Funktionen bis auf einen: 16:9! Wer das Breitbild aktivieren will, muss tief ins Menü abtauchen – hier sollte NEC dringend nachbessern. In allen anderen Belangen ist der VT540 ein feines Gerät, das bestimmt viele Liebhaber im Heimkino finden wird. Der VT540 derzeit zählt zu den am besten für Video geeigneten LCD-Projektoren.

Anmerkung:
Wer am Budegt für den Projektor sparen muss, sollte sich auch den VT440 ansehen, der mit SVGA-Panels ausgerüstet ist und mit 8000 Mark in der Liste steht (Straßenpreise dürften noch darunter sein). Kollege Ratai von der Image hatte dieses Gerät im Test und zeigte sich augenscheinlich auch sehr erfreut. In der c't fand man, dass es Nachzieheffekte bei Bewegungen gibt. Den Effekt konnte ich jedoch beim VT540 nicht feststellen.

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