Sharp XV-Z10000


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Sharp rundet auf: mit dem XV-Z10000 gibt es nun das Nachfolgemodell des legendären 9000ers, der Breitbildgeschichte schrieb, weil er der erste Projektor mit hochauflösenden DLP-Breitbildchip war. Der mit dem HD2-Chip bestückte XV-Z10000 glänzt mit Eckdaten, die geeignet erscheinen, selbst abgebrühte Heimkinoenthusiasten in helles Entzücken versetzen.

Sharp XV-Z10000

Lichttechnik & Farben
Bisher waren DLP-Breitbilder entweder hell oder kontrastreich, beides zusammen ging nicht. Der XV-Z10000 kombiniert beide Varianten mit Hilfe einer Drucktaste gleich unter dem mächtigen Shiftobjektiv, die mittels einer integrierten Blende zwischen “High-Contrast” und “High-Brightness” Modus wählt.

Im kontraststarken Modus liegt der minimale Schwarzwert mit 0,15 Lumen gleich auf mit meiner Referenz, dem Marantz VP12S2. Dunkle Bildstellen zeichnet der Sharp sehr detailliert und schafft eine subjektive Räumlichkeit, die meiner bisherigen Referenz keineswegs nachsteht. Gerade die Titelanimation des zerstörerischen Weltraumfluges  von “Men in Black II” wirkt ungemein plastisch und zeigt Planeten samt Ringsysteme in fast greifbarer Tiefenstaffelung. Im Weiß kann er den Marantz sogar überrunden, denn im “High Brightness” Modus ist er einer der wenigen, die  wirklich halten, was das Prospekt verspricht: das Testmuster lag nur ganz knapp unter der Werksangabe von 800 Lumen. Allerdings darf man diese beiden Extremwerte nicht in ein Kontrastverhältnis übersetzen, sind sie doch bei höchst unterschiedlichen Einstellungen gemessen. Korrekt gemessen beziffert sich der maximale Kontrast bei knapp 2500:1 – wieder erfreulich nahe also bei Sharps Werksangabe. Klar, die Praxiswerte liegen natürlich etwas niedriger, abhängig vom gewählten Modus. Ich habe die Messwerte selbstverständlich im High-Contrast Modus abgenommen und lieber die niedrigeren Lichtpegel in Kauf genommen – Kontrast ist halt durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Kontrast. Zudem habe ich in diesem Fall auch die Lampensparschaltung aktiviert, die zwar das Geräusch messtechnisch nur wenig reduziert, aber subjektiv klingt die gedämpftere Variante wesentlich verträglicher für die geschundenen Testerohren. Die satten Farben gehören zu den wirklich starken Seiten des XV-Z10000.

Einzig seltsam, dass Sharp die Werkseinstellung auf zu hohe 9000 Kelvin legt, und das, obwohl der XV-Z10000 eine sehr feinfühlige und vor allem exakt arbeitende Einstellung der Farbtemperatur zulässt. Ich haben die Messwerte bei der Einstellung 6500 Kelvin abgenommen – die eine respektable Grauskala abliefert. Wer will, kann Farben und Gamma an unglaublich vielfältigen Einstellungen anpassen. Aber schon die Werkseinstellung mit leichter Modifikation auf 6500K ist empfehlenswert, wenn auch mit leichtem Defizit bei Rot.

Die „Wählscheibe“ stellt den Lens-Shift ein, die Taste unter dem Objektiv wählt zwischen Helligkeits- und Kontrastmodus

 

Aufstellung & Bedienung
Das mit einem manuellen Lens-Shift ausgestattete Zoomobjektiv ist von der höchst flexiblen Sorte; es unterstützt vielerlei Aufstellungsvarianten und hat einen weiten Zoombereich. Generell liegt der Projektionsabstand eher auf der längeren Seite, was in vielen Fällen eine praktische Regalaufstellung vereinfachen dürfte. Per manuellem Lens-Shift kann der XV-Z10000 von einem erhöhten Standpunkt - zum Beispiel auf einem Regal stehend - nach unten projizieren, ohne dass es aufwändiger Deckenmontage bedarf. Weil in dieser Aufstellungsvariante oft die ganze Raumdistanz überbrückt werden muss, hat ein längerer Projektionsabstand oftmals den Vorzug. Am Gerät sind die Bedienelemente galant hinter einer Klappe versteckt, der wertige, beleuchtete Fernbedienungsgeber erlaubt direkte Eingangs- und Formatwahl, wobei fünf gespeicherte Bildeinstellungen per Tastendruck abgerufen werden können. Das Menüsystem ist übersichtlich und zieht sich beim Einstellen der Bildparameter dezent aus der Bildmitte zurück.

DLP-Chip
Mit dem HD2 ist der DLP-Technologie endlich der große Wurf gelungen, erstmals gibt es ausreichend Kontrast gepaart mit der brachialen Schärfe der 1280x720 HDTV-Auflösung – beide Vorteile kann der XV-Z10000 voll zu seinen Gunsten verwenden. Natürlich sind noch nicht alle Artefakte der Ein-Chip-DLP Technik beseitigt. Es lässt sich  schon noch die eine oder andere Szene finden, in der Falschkonturen (“False Contour”) in bewegten Flächen auftreten oder ein kleiner Regenbogen durch die sequenzielle Farbabbildung von DLP blitzt. In kontrastreichen Szenen kann ich den Regenbogen trotz der hohen Farbwechselfrequenz von 300Hz noch ausmachen, es scheint, dass meine Wahrnehmen für diesen Artefakt eher auf der empfindlichen Seite liegt. Bei manchen Filmen kann es durchaus lästig werden, aber wer die anderen Vorteile dieses HD2-DLPs geniesen möchte - und das sind nicht wenige - wird damit seinen Frieden schliessen müssen. Problematischer ist noch das erhöhte Rauschen durch trickreiche Graustufenerweiterungen (“Dithering”) der DLP-Technik, besonders auffällig bei schlechten Quellen oder bei Zuspielung über einfache Schnittstellen. Hier bringt die integrierte Rauschunterdrückung des Sharps schon mal Linderung, besser ist eine sorgfältige Auswahl der bestmöglichsten Videoschnittstelle. Das beste Mittel zur Abschächung des Dithering-Problems ist eine voll digitale Zuspielkette via DVI (siehe unten).

Neben den beiden analogen Komponenteneingängen glänzt die DVI-I Buchse durch Vielseitigkeit

 

Eingänge:
Da fällt S-Video schon mal flach, denn mit diesem Standardeingang agiert der XV-Z10000 ausgesprochen lustlos. Die horizontale Auflösung erschöpft sich bei schlappen 5MHz, höhere Bursts sind gar von wandernden Schlieren gestört, die erst mit Stufe 1 der Rauschunterdrückung verschwinden. Einen kompletten Todesstoß erhält die S-Videobuchse von der mangelnden Farbauflösung, die unter einem Megahertz schon schlapp macht. Das führt zu  fusseligen Farbübergängen, auch wenn man bestes Material von DVD zuspielt. Beinahe hat man den Eindruck, dass VHS wieder Einzug hält. Auch wenn engagierte Heimkinoenthusiasten naturgemäß bessere Schnittstellen verwenden, sollte Sharp bei der Performance über S-Video dringend nachbessern, das man ja doch für den Anschluss eines Sat-Receivers oder einer Digitalkamera gut brauchen kann. Kurz und gut: für einen Projektor dieses Kalibers ist eine Schwäche bei S-Video nicht standesgemäß. Das ändert sich dramatisch, wenn man auf Komponentensignale übergeht. Nun offenbart sich eine so kantenscharfe Farbdarstellung, die das Testbild gar bis zum theoretischen Limit von 3,375MHz ausreizt. Das schaffen wiederum viele Projektoren nicht in dieser Form, die meisten brauchen dazu (warum auch immer) eine progressive Zuspielung. Die beherrscht der Sharp natürlich auch, aber dank seines wirklich guten De-Interlacers auf Basis von Sharps eigener CIVIC II Technologie sind die Unterschiede zwischen Komponentensignalen mit und ohne Zeilensprung denkbar gering. Einzig in der Bewegungsglätte hatte die Elektronik des Konkurrenten Marantz die Nase minimal vorn, der schnelle Schwenks eine Idee glatter herüber bringt.

 

Dafür zaubert der Sharp mit Komponentensignalen wunderschön gesättigte Farben, die der Marantz nicht so plakativ auf die Leinwand bringt. Den Filmmode des Civic II Chips wirft nichts so schnell der Bahn. Einziger Nachteil, den auch schon der Vorgänger hatte: man muss ihn per Hand aktivieren. Das kann schnell lästig werden, denn animierte Menüs und sonstige Zugaben auf DVDs stammen ja nicht von Film und zeigen folglich gerissene Kanten. Die erst verschwinden erst, wenn man per Hand von Film- in den 3D-Progressiv Modus schaltet

 

Noch ein Vorteil ergibt sich bei Komponentenzuspielung, egal ob interlaced oder progressiv: horizontale Bildgröße  sowie Bildversatz lassen sich frei einstellen, womit man den bei S-Video vorhandenen Overscan von knapp 16-20 DVD-Pixeln deutlich optimieren kann. Oder man nutzt es, um Filme im breiten Scopeformat an die Kante zu schieben und somit besser von einem Kasch einzufassen. Wenn man übrigens analoges RGB von einem Scaler oder einen HTPC zuspielen möchte, bockt der XV-Z10000 erst mal: sein natives Format 1280x720p wollte er bei 50Hz partout nicht als solches erkennen. Da hilft ein Wechsel auf 60Hz, oder man geht – eh viel empfehlenswerter – gleich auf DVI (siehe Kasten).

 

Selbst RGB-Signalen mit Zeilensprung kann der Sharp noch ein Bild abgewinnen, allerdings klappt ein Direktanschluss an die Scartbuchse nicht, weil er das Videosignal nicht als Synchronimpuls erkennt. Ein geeigneter Syncstripper könnte für Abhilfe sorgen. Die Formatwahl des Sharps erfüllt alle Wünsche samt Untertitel mit Verschiebung, auch gibt es einen direktabbildenden “Punkt zu Punkt” Modus für Computersignale.

 

DVI am Sharp XV-Z10000
Es kristallisiert sich immer mehr heraus: DVI mausert sich zur hochwertigsten Videoschnittstelle der näheren Zukunft. Auch der neue Sharp ist mit seiner höchst flexiblen DVI-Buchse ein dankbarer Abnehmer für die digitale Vollkost, die in diesem Fall von einem Dune-F über eine ununterbrochene digitale Kette geliefert wurde. Bei der Premiere ging der Daumen unbarmherzig nach unten: Schwenks ruckelten und irgendwie sah das Bild ziemlich unruhig, ja eben "digital" aus. Also erst sämtliche Einstellungen kontrollieren. Ja schau mal an - findet sich nicht unter "Optionen" ein Punkt "Signaltyp", der anfänglich auf "Dig.-PC-RGB" steht? Fraglos: da hört sich "Dig.Vd.-RGB" doch schon mal vernünftiger an, oder? “Vd” klingt doch verdächtig nach Video.. Das tat es auch, denn von nun an gehörte das grobe Ruckeln der Vergangenheit an. Wir lernen daraus: Der Sharp unterscheidet an seinem digitalen Eingang fein säuberlich zwischen PC und Video, wobei er PC-Signale nicht ohne Ruckeln darstellen kann. Aber die ziemlich grobkörnige Bildcharakteristik blieb noch. Besserung brachte eine Umstellung des Bildformates von "Strecken" auf "Punkt zu Punkt". Zwar wird das Bild nun einen Tick kleiner, aber der Overscan minimiert sich und das Bild wirkt eine Spur klarer, weil der Skalierer des Sharps nun nicht mehr eingreift. Trotzdem wollte die digital-körnige Bildstruktur immer noch nicht so recht gefallen, und das Kombinationstestbild zeigte schnell, woran es lag: eine Schärfeanhebung im Projektor nämlich, die Helligkeitsübergänge mit Saumkanten verunziert. Und das bei DVI! Der Dune-F konnte es nicht sein, denn dessen "Enhancements" hatte ich schon zuvor deaktiviert. Zurück bei den Bildeinstellungen fand sich plötzlich eine Skala für Schärfe, die erst auftaucht, wenn man von PC auf Videomodus schaltet. Ein kleiner Schelm, der Z10000. Nun stand der Regler zwar auf Mittelstellung, was aber keineswegs die Neutralstellung ist. Erst bei Werten knapp unter -10 verschwanden die Saumkanten.

 

Bei Anschluss eines Dune-F kein Problem, aber für zukünftige DVD-Player mit DVI-Ausgang könnte es eins werden: der Sharp erlaubt außer Schärfe und Farbtemperatur keinerlei Einstellungen bei DVI. Sogar Kontrast und Helligkeit sind deaktiviert. Solange der Zuspieler keine Regelung der Bildparameter erlaubt, ist man im Aus, wenn es nicht von Anfang an stimmt. Da es verschiedene Optionen (zum Beispiel 16...235 oder 0-255) bei der Übermittlung von digitalen Signalen existieren, ist der Ärger vorprogrammiert. Hilfe könnte einzig und allein im Service Menü zu suchen sein, allerdings kein Ort für blutige Anfänger.

 

Etwas zickig gibt sich auch der Anschluss eines PCs, wenn man Videosignale zuspielen möchte. Dafür ist der oben beschriebene "Dig. Vd.-RGB" der beste Modus, weil er in den Bewegungen störungsfrei läuft. Der DVI-Anschluss übermittelt jedoch (vermutlich während des Bootprozesses) die möglichen Auflösungsvarianten des Sharps an den PC. Mein PC fand im "Dig Vd. RGB"-Modus nicht Vernünftiges darunter und schaltet folgerichtig auf 640x480 - völlig Banane. Man muss unbedingt "Dig.PC RGB" am Sharp aktivieren, bevor man bootet. Nur so wird die 1280er Auflösung aktiv, übrigens per "Punkt zu Punkt" ein echter Hingucker. Überschüssige vertikale Auflösung (auf z.B. 1280x1024) wird ausgeblendet, der sichtbare 720-zeilige Ausschnitt kann mit den Cursortasten gewählt werden. Nach dem Bootvorgang sollte man unbedingt auf "Dig Vd.-RGB" schalten, sonst ruckelt es erbärmlich. Ziemlich lästig, vielleicht finden PC-Freaks ja vielleicht einen Ausweg via Powerstrip.

 

Übrigens akzeptiert der Sharp auch analoge Signale an seiner DVI-I Buchse, so dass man theoretisch alle Signale über ein einziges DVI-Kabel zuspielen kann - geradezu eine ideale Lösung, wenn man zum Beispiel mit einem Vigatec Dune-F zuspielt (so elegant, dass ich Sie nun verwende...). Leider nicht ganz frei von Nebenwirkungen: erstens sind auch für analoge Übertragung taugliche DVI-Kabel besonders in langen Lauflängen kaum am Markt zu finden, zweitens ist die Umschaltung auf analogen Betrieb der DVI-Schnittstelle nicht mit der direkten Taste auf der Fernbedienung zu erledigen, sondern muss immer über das Menü passieren- wenig elegant. mehr als nützlich wäre übrigens auch eine zweite DVI-Schnittstelle. Wenn die erste nämlich vom Videoprozessor belegt ist, findet der PC keinen Anschluss mehr. Und sie glauben gar nicht, wie brillant Digitalbilder via DVI-Zuspielung aussehen.

 

Fakt ist: Wenn es mit DVI klappt, lieferte der Sharp ein grandioses Bild ab, das meiner bisherigen Referenz Marantz in nichts nachsteht. Mit einer guten DVD, die auf durchgehend digitalem Weg zugespielt wird, klopft man schon zaghaft an die HDTV-Tür.

 

Gamma und Farbe: schon die Werkseinstellung (mit leichter Modifikation auf 6500K) führt zu brauchbaren Resultaten - siehe die obige Messung mit Colorfacts. Der Farbraum (weißes Dreick) ist sehr groß und trifft fast die EBU-Koordinaten (schwarzes Dreick). Das Kreuz gibt den D65 Punkt vor, dem sich der Sharp bei hellen Graustufen annähert. Bei dunkleren fehlt es etwas an Rot, was sich trefflich im Menü oder mit der beiliegenden "Sharp Vision Manager" Software ausgleichen lässt.

 

Feinfühlige Einstellung von Farbtemperatur und Gamma in den einzelnen Farbauszügen möglich. Mit "SVM" ("Sharp Vision Manager" Software) ist sogar eine Eingabe in Kurvenform per PC möglich. Voraussetzung: serielles Nullmodemkabel.

 

Fazit
Meine derzeitige Referenz bekommt unerwartete Gesellschaft: der Sharp XV-Z10000 steht mit dem Marantz VP12S2 hundert Prozent auf Augenhöhe. Er hat die satteren Farben und die flexiblere Optik. Leichte Kritik handelt ersich für nachlässiges S-Video ein, aber mal ehrlich, so ein Projektor wie dieser wartet auf digitale DVI-Zuspielung von DVD oder gar HDTV. Schon mit jetzigen Quellen macht großes Kino mit dem XV-Z10000 einen Riesenspaß, der sich nochmals steigert, sobald die digitale Kette komplett ist. Ein tolles Gerät durch und durch.

 

 

Hier punktet der Sharp:
sehr gutes Schwarz, exzellenter Kontrast
stimmige, gesättigte Farben
Funktioniert gut mit Videosignalen per DVI
Fernbedienung: durchdachtes Konzept mit Beleuchtung

 

Das überzeugt weniger:
S-Video Eingang fällt ab
falsche Farbtemperatur in der Werkseinstellung
DVI etwas zickig bei Videozuspielung von PC
Kontrast und Helligkeit nicht regelbar per DVI
Umschaltung digital/Analog per DVI nur über Menü

Peter Finzel


Copyright 2003 by Peter Finzel. Verbreitung nur mit schriftlicher Zustimmung des Autors.

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